La Puna (ARG) 2015/16

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Tilcara - Humahuaca



Für alle dies interessiert mein kleiner Reisebericht von Tilcara nach Humahuaca. Eigentlich wollte ich in sieben acht Tagen durch sein doch ich hatte zu viel Proviant mit oder auch zu wenig gegessen und so hab ich die Etappe ein wenig erweitert. Also sorry falls sich schon jemand sorgen gemacht hat.(Keine Rechtschreibprüfung bitte;))
Tag 1
Eine kurze Erkundungstour und einige Gespräche mit einheimischen tags zuvor ließen mich guter Dinge aufbrechen. Ich hatte bedenken ob genug Wasser aus den Bergen kommt da es hier angeblich seit sieben Monaten nicht geregnet hat. Aber ein Einwohner aus dem Tal in das ich starten wollte sagte mir gestern das weiter oben Wasser im Fluß sei. Also fuhr ich die Strecke die ich gestern schon gelaufen bin und die nicht wirklich schön war mit dem Taxi. Danach gings zu Fuß talaufwärts und schon nach paar Kilometern bekam ich meine zweifel. Die Bewässerungskanäle bis zu denen ich gestern gelaufen bin waren weiter taleinwärts plötzlich in einer estancia verschwunden und im riesigen Flussbett oberhalb kein tropfen wasser. Ich lief noch ein Stück doch es hatte nicht den Anschein als ob da irgendwo Wasser ist. Ich ließ meinen vollen rucksack stehen und lief ohne weiter. Nach einer guten halben Stunde rauschte es plötzlich und ich kam an einen Schacht in den das Wasser aus dem kleinen Fluss hineinfloss und die Bewässerungskanäle weiter unten über Rohre versorgte. Ich war froh und holte meinen Rucksack. Ich wunderte mich trotzdem wo das nicht wenige Wasser bei der trockenheit herkam.Die Höhe machte mir noch ganz schön zu schaffen. Immerhin war ich schon bei 3000m angekommen. Wenn du vergisst bewusst schneller Luft zu holen fühlt es sich an als ob du erstickst und es war gar nicht so einfach den richtigen Rhythmus zu finden. So beendete ich den Aufstieg bei ein paar Schatten spendenden Bäumen und gewöhnte mich noch ein wenig an die Höhe. Die Sonne war eh viel zu stark als dass ich hätte weiter laufen können bzw wollen. Um mich herum standen jede menge bis zu zehn meter hohe Kakteen und die Berge waren angemalt so schien es. Obwohl ich mich nicht bewegte und ein nickerchen im Schatten machte stellte ich immer wieder fest dass ich noch nicht den richtigen atemrythmus hatte. Es war oft so als ob du gerade hundert Meter gerannt bist. Na gut 50. So verbrachte ich den nachmittag mit faulenzen und ein paar kleinen Spaziergängen. Am Abend gab's Spaghetti und kurz nach acht wurde es auch schon dunkel.
Tag 2
Die ganze Nacht gab es Wetterleuchten. Zumindest immer dann wenn ich munter war. Und überraschend warm war es. Da ich der sonne etwas aus dem weg gehen wollte bin ich schon um sechs aufgestanden. Ich konnte gerade genug sehen um meinen Kram zusammen zu packen. Einige Wolken waren am Himmel und kurz nach sieben bin ich wie schon tags zuvor dem Pfad im Flussbett gefolgt. Nicht lange jedoch, denn ich wollte über ein seitental über den Pass. Das Flussbett dort war trocken und so nahm ich 2 Liter Wasser mit, in der Hoffnung dass es bis zum nächsten Bach reicht. insgesamt kann ich 3,5l mitnehmen doch da mein Rucksack eh voll gepackt war, wollte ich nicht noch mehr schleppen. Die Berge sind gewaltig und als es das letzte Stück bis zum Pass auch noch steil wurde kam ich mir vor wie sechzig. Knapp 3700m war der Pass und alle zehn Meter musste ich anhalten und nach Luft hecheln. Doch die Aussicht war fantastisch. Ich fand zwar so was wie einen Pfad hinab doch die Kühe hatten zig abzweige getrampelt, so dass es ziemlich schwer war in dem unübersichtlichen Gelände nicht an einem felsabsatz zu landen. Wieder hinauf zu müssen oder lange nach einem pfad suchen wäre echt sch... gewesen mit meinem inzwischen knappen wasservorat. Aber ich habs geschafft bis zum flussbett und ich fand eher Wasser als erwartet. Also gab's erstmal nen happen zu essen an einer schattigen Felswand. Dumm nur dass ich meinen löffel heut morgen vergessen hab. Werd halt doch alt. So musste mein windschutz vom Kocher herhalten den ich zum löffel umfunktioniert habe. Mehr oder weniger,  würde auch als gartenschaufel durchgehen. Die Sonne ist heftig hier und so hab ich mir kurz nach zwölf ein halbwegs schattiges Plätzchen gesucht und mein Zelt aufgebaut mit Schlafsack als sonnenschutz. An die Siesta muss ich mich wohl gewöhnen wenn ich nicht verbrennen will. Zum Glück geht sobald die sonne draußen ist ein frischer wind der die Täler hinauf zieht. Die Wolken wurden mehr und so gab es ein wunderbares Schattenspiel auf den farbigen Berghängen ringsum. Weit oben kreiste ein kondor und in den blühenden Büschen suchten kolibris nach was süßem. Das die in der dünnen Luft stehen können!? Das gute ist dass es so gut wie keine fliegen und schon gar keine Mücken gibt hier oben. So kann ich das Zelt getrost offen lassen da auch die schlangen und Vogelspinnen nur weiter unten rumkriechen bzw krabbeln. Während ich meine Spaghetti kochte war es inzwischen komplett zugezogen und die Berggipfel in Wolken gehüllt.
Tag 3
Die Wolken sanken fast bis zum Zeltdach und so musste ich mein Zelt sogar zumachen da sich der Nebel überall niederschlug. Es war ein stimmungsvoller morgen und ich bin natürlich wieder beizeiten raus. Auch wenn es einige Überwindung kostet im halbdunkel aufzustehen. Zum Glück ist es früh nicht allzu kalt. Langsam lichteten sich die Wolken und es schien wieder ein warmer Tag zu werden. Durch ein schluchtartiges Tal gings hinauf zum nächsten Pass. Es dauerte nicht lange und die sonne bekam die oberhand. Ohne sonnenschutz und Hut wäre ich wohl schon tot. Nach einer Weile bellten ein paar Hunde von einem kleinen Haus und kurz darauf kam sein Bewohner mit ihnen zusammen hinunter gelaufen. Es brauchte eine weile bis die Hunde sich beruhigt hatten doch danach schwatzten wir kurz. Er lebte mit seiner Frau in den Bergen und sie ernährten sich selbst. Ein traum!? Wasser gebe es fast bis hinauf zum Pass jedoch sei der weg nicht einfach. Doch die Aussage ignorierte ich. Schließlich haben die Leute in tilcara auch gesagt es gibt kein Wasser in den Bergen. Gibt halt auch hier stadtmenschen;). Ich bin aber auch überrascht wie viel es gibt. Ich folgte dem Fluß und kam noch an paar kleffenden Hunden vorbei die sich allerdings nicht von ihrem Ausguck herunter trauten. Das Tal wurde wieder enger und an einem zwei meter hohen Wasserfall stand ich da wie ein Depp. Keine chance. So musste ich zurück und den Pfad hinauf der in meiner Karte eingemalt war. Ne ganz schöne schinderei bei der hitze und der Höhe. Langsam hab ich meinen Rhythmus gefunden wenngleich ich oft und urplötzlich dastehe wie nach nem Marathonlauf. Du holst dann vier fünf mal Luft und dann ist alles wieder okay. Nur wenn es steil wird ist es echt anstrengend. Hoffe das gibt sich noch etwas mit der zeit. Nachdem ich wieder am Fluss war gab's das zweite Frühstück bevor ich in dem immer enger werdenden tal teilweise im Wasser wartend aufwärts lief und oft auch kletterte. Nach nem regen wäre es wohl kaum möglich durch die Schlucht zu laufen. Noch einmal musste ich einen Pfad hinauf um eine engstelle zu umgehen doch diesmal hatte ich eine fantastische Aussicht über das weite tal. Selbst hier oben auf mittlerweile 3500 m stand in einem seitental noch eine kleine Farm auf der einige Esel herumtollten. Der Bauer vom morgen hatte recht es gab immer noch Wasser und es waren nur noch 200m bis zum Pass. Schließlich kam es jedoch nur noch aus einem seitental und so suchte ich mir einen Zeltplatz da ich keine Lust mehr hatte in der sonne zu brüten. 3900 m zeigt das gps und wahrscheinlich wird es heute Nacht kälter als die letzten beiden. Doch die Aussicht war einmalig und die zweihundert Meter hinauf zum Pass schaff ich auch morgen, dachte ich mir. Mittlerweile war keine Wolke mehr am Himmel und ich froh im Schatten zu sitzen nachdem ich mir gestern trotz aller Vorsicht einen Sonnenbrand im Nacken eingefangen hatte. Es war ein wunderbarer Tag und wenn ich mir überlege, dass ich aufgrund der aussagen einiger Leute in tilcara die Tour fast abgeblasen hätte, bin ich froh auf meinen Bauch gehört zu haben. Zwar war mir irgendwie klar dass bei 2000m Höhenunterschied schon irgendwo Wasser sein muss, aber dass es bei knapp 4000m noch plätschert vorm Zelt hätte ich wirklich nicht gedacht. Gegen Abend sind dann doch noch mächtige Wolken aufgezogen doch dass hat die Berge gleich noch mal so schön aussehen lassen und so wirds vielleicht doch nicht so kalt in der Nacht hoffte ich. Allerdings werde ich wohl morgen früh im Nebel sitzen. Aber ausschlafen ist ja auch nicht verkehrt.
Tag 4
Nix mit ausschlafen. Keine Wolke am Himmel dafür in der Nacht jede Menge Sterne. Genau mit den ersten Sonnenstrahlen war ich auf dem Pass und ich hab mich echt gequält. Egal die Aussicht war genial und nach ner kurzen slapstick Einlage - bin beim rucksack aufsetzen einen schritt zurück. Nur war da ein Stein im weg. Den Rest könnt ihr euch ausmalen. Ja so dumm kanns laufen. - gings abwärts. Hab versucht einem pfad zu folgen und war auch recht erfolgreich. Die Berge waren schroffer und noch farbiger als auf der anderen Seite. Um so tiefer ich kam umso wärmer wurde es. Und als sich das tal weitete verschwand auch das Wasser in einem Bewässerungskanal einer kleinen estancia. Ich hatte es aber nicht mehr weit bis zum haupttal. Dort angekommen blies mir ein warmer Wind ins Gesicht und es war kaum auszuhalten in der sonne. Ich suchte vergebens nach einem schattigen Plätzchen. So lief ich talaufwärts und begegnete paar Wanderern. Der eine kannte sich wohl aus und sagte mir dass ich durch die Schlucht des Rio yocaraite nicht durchkomme. Ich hatte es befürchtet und brauchte nun noch dringender einen Siesta tauglichen Platz. Doch weit und breit nichts in Sicht. So stellte ich das Zelt in die sonne und hoffte das die Wolken mehr werden. Ich war echt fertig und es war das letzte mal dass ich nach eins noch in der sonne rum gerannt bin. Die Wolken wurden nun allerdings bedrohlich groß und dunkel und wenn du die riesigen schutthalden die aus jedem seitental ragen siehst sowie das überdimensionale flussbett bekommst du es mit der Angst zu tun wenn du in Flussnähe zeltest. vorsorglich habe ich mir aber eine ruckzusmöglichkeit gesucht und habe den Schatten genutzt um im Fluß eine dusche zu nehmen. Bad war leider nicht drin. so schnell die Wolken da waren so schnell waren sie wieder weg und außer drei tropfen war nichts gewesen. Zum Glück war es aber schon sechs und die Kraft der Sonne halb so stark. So bin ich noch ein wenig durch das gewaltige tal gelaufen dessen zwei meter breiter "fluss" irgendwie unwirklich aussah. Die riesigen Kakteen habens mir angetan und auch die verschiedenen felsformationen in allen erdenklichen farben. Die berge ragen fast noch 2000m in die Höhe. der Anblick entschädigt für die strapazen. Trotzdem ist es echt anstrengend und ich muss alles mögliche bei meiner Planung berücksichtigen. Wasser, sonne, Höhe,  Proviant, Gelände... Heute beim Schatten suchen wurde mir klar es kann recht schnell in die Hose gehen. Allerdings muss ich mir einen Plan b überlegen falls ich wirklich nicht durch die Schlucht komme.
Tag 5
Noch immer schlaf ich nicht gut und wache mit erstickungsgefühl auf. Eigentlich sollte sich mein Körper mittlerweile dran gewöhnt haben aber vielleicht ist ja meine kleine Lunge schuld. Das Problem an der Höhe ist, dass sich der Puls nicht erhöht sondern allein die Lunge und das Blut für den Sauerstoff zuständig sind. Da meine roten blutkörperchen eh schon an der oberen Grenze sind weiß mein Körper vielleicht nicht mehr was er machen soll. Na ja, vielleicht fällt ihm ja noch was ein.Kurz vor sieben gings wieder los und selbst als ich los gelaufen bin wusste ich noch nicht wie der Plan B aussieht. Doch als ich am ersten seitental ankam und eselsspuren hinein gehen sah hatte ich mich entschieden. Also über 1000m auf 4200 m über die berge. Das hieß auch wieder in ein tal ohne Wasser in dem Wissen bzw der Hoffnung dass weiter oben Wasser ist. Es ist schon ein komisches Gefühl. Das hieß auch wenn es trocken ist alles wieder absteigen. Der Vorteil war das das tal nach Norden führte und ich durch die steilen berge im Schatten lief. Nach einer Stunde und etwa 3km,  mehr sind in der Höhe nicht drin, ein erster kleiner rinnsal. Nach paar Metern verschwand er allerdings wieder unter dem Geröll. Das ging einige male so und jedes Mal hatte ich Angst dass es der letzte war. Gegen 11 war ich an der stelle an der ich zelten wollte und er hielt was die Karte versprach. Wasser und leicht erhöht. Allerdings kein Schatten aber damit musste ich leben. 600m hatte ich geschafft und ein weiterer Aufstieg wäre wohl Selbstmord gewesen. So bin ich geblieben und habe eine ganz ganz lange Siesta gemacht. Leider gab's jede Menge fliegen und Wind ging auch kaum und so war es gerade noch erträglich im Zelt. Ein paar schleierwolken halfen dabei. Zumindest am Anfang, denn am nachmittag wurde es immer wärmer und die fliegen immer penetranter. Zwei Esel sind am nachmittag seelenruhig ins Tal getrottet und haben an allem was grün ist angehalten. Kolibris seh ich ja nun jeden tag doch heute kamen noch ein Schwarm Wellensittiche und ein paar kondore dazu. 33 Grad zeigte mein Thermometer. Ich war zu nichts mehr zu bewegen außer Wasser holen. Es war echt nur ein rinnsal und gar nicht so einfach eine Stelle zu finden an der ich meine Flasche füllen konnte. Ich kann nur hoffen das mein steripen immer funktioniert. Wer weiß was aus mir geworden wäre wenn ich weiter gelaufen wäre. Du bist verloren wenn du in der hitze stehst und dann vielleicht noch nicht mal Wasser hast. 470m sinds noch nach oben und dann wahrscheinlich 900 ohne pfad wieder runter bis ich an Wasser komme. Heißt, volle Ladung Wasser schleppen.Ich war jedenfalls froh als die sonne endlich verschwunden war hinter dickeren Wolken. Es sah mal wieder aus wie regen aber das wird wohl eh nix, dachte ich mir. Und dann, dann war nach einem tollen abendhimmel plötzlich absolute stille. Die fliegen, die Vögel, der Wind, ... einfach nichts.
Tag 6
In der Nacht um eins wurde ich von einheimischen geweckt die mit Taschenlampe das tal zu ihrer estancia ein Stück weiter oben gelaufen sind. Aber ich hab auch meine Taschenlampe benutzt als ich halb sechs aufgestanden bin. Ich wollte unbedingt das schwerste Stück im Schatten laufen. Und trotzdem 2,5 Std für 3 Kilometer und 450 höhenmeter hab ich gebraucht. Hätte nie gedacht das bei 4000m einem so die pumpe geht. Du merkst jeden Schritt. Aber hab mich das letzte Jahr auch nicht wirklich sportlich betätigt. Selbst schuld also. Die Plackerei hat sich aber gelohnt. Zig Kilometer konnte ich über die Wüste puna blicken. Selbst die weit entfernten salzseen waren zu sehen. Die Wüste ist eines der trockensten Gebiete der Erde und dort latsch ich jetzt rum. Das gute an der Höhe waren die kühlen Temperaturen. Doch mit jedem Schritt runter vom Pass wurde es wärmer. Ich fand zum Glück einen viehtrieb und konnte ihm folgen. Er führte sogar zu dem Baum den ich mir ausgekuckt hatte und der mir diesmal einen schattigen Zeltplatz spendierte noch dazu mit einer herrlichen Aussicht. Den Schatten hat es auch gebraucht denn in der sonne war es wieder nicht auszuhalten. Ein bisschen Wind ging auch und so konnte ich die Siesta in ruhe über mich ergehen lassen. Einige Lamas kreischten in der Gegend rum doch ansonsten durchbrachen nur die fliegen und der Wind die Ruhe. Ich habe noch für sechs Tage zu essen da ich mich die ersten Tage zurück gehalten hatte und bin am überlegen ob ich mir ein Basislager suche und einige tagestouren mache. So warm wie es ist die Landschaft ist beeindruckend und einmalig schön. Hoffe nur dass mich auch jemand mit nach humahuaca nimmt. Habe  während dem Abstieg nur ein Auto gesehen und dann noch in die andere richtung. Am späten Nachmittag dann eine urplötzliche wetteränderung. Erst dachte ich durch die immer größer werdenden quellwolken es gibt Gewitter, was unterm Baum eher nicht so toll ist, doch dann kam eine kräftige Böe nach der anderen und ich musste erstmal mein Zelt richtig abspannen. Die äste am alt aussehenden Baum sahen stabil und gesund aus so dass ich mir nicht allzu große Sorgen machen musste. Unten im fast leeren Flussbett fegten Windhose über den trockenen Boden und bei mir flog alles mögliche durch die Gegend und jedesmal Zelt auf machen kostete einmal Reinigung. Der Horizont im Westen blieb wolkenfrei und steigerte die Hoffnung auf einen grandiosen Sonnenuntergang. Doch pünktlich als die sonne hinter den Bergen verschwand waren alle weg und der Wind auch. Sehr speziell das Wetter hier. Doch der abend war trotzdem der schönste bis jetzt und die schinderei vom morgen war vergessen.
Tag 7
Zum ersten Mal hab ich gut geschlafen. Obs an den kühlen Temperaturen lag oder ob ich mich langsam an die Höhe gewöhnt habe weiß ich nicht. Einige Wolken am Himmel und ein recht kühler Wind gaben mir die Hoffnung nicht gar so zu schwitzen heute. Ich wollte einem kleinen Fluss so weit es ging folgen. Zumindest so weit meine Karte reichte denn eigentlich hatte ich nicht vor so weit zu laufen. Aber hier ist es echt einmalig. Blaue, rote, weiße berge. Dazu eine unendliche weite. Am letzten schattigen Plätzchen,  eine nicht mehr genutzte estancia mit lehmhäusern, baute ich mein Zelt unter paar Bäumen  auf. Es war erst kurz vor elf aber weiter laufen hatte keinen Sinn. Zwar wehte ein kühler Wind doch meine Karte war nicht mehr wirklich zu gebrauchen. So machte ich nach einer ausgiebigen Pause einen ebenso ausgiebigen Ausflug auf das kleine hochplateau südlich von mir. Ein wahnsinns ausblick und ein beängstigender tiefblick an einer Schlucht wo einst ein riesiger See seinen Weg durch einen Berg gesucht haben muss. Unglaublich was Wasser für Kraft hat. In einiger Entfernung waren riesige sanddünen zu sehen und machten mir klar das ich mich in einer halbwüste befand. Nach zwei Stunden wurde es mir dann doch zu warm und ich war froh dass mein Zelt noch im Schatten stand. Solange die sonne von oben scheint geht's noch aber sobald sie sich senkt und auf den ganzen körper scheint wird es verdammt warm. So hat auch mein Schlafsack mehr Schatten zu spenden als Wärme bis jetzt, da die Bäume zu schlank sind um lange genug schatten zu spenden und umbauen bei dem Wind ist ziemlich zäh. Aber schließlich nutzte ich eine recht ruhige Phase und stellte es an den"fluss" genau in den Schatten der Krone. Danach gings duschen mit Topf und danach gab's was zu essen auch mit Topf. Meinen Kocher werd ich wohl per Post heimschicken. Erstens ist abends meist zu viel Wind und bei der Wärme ist mir nicht nach warmem essen. Auf alle Fälle freue ich mich auf einen löffel. Das ist dann wie essen im Luxus-Restaurant. Es stürmte am abend und wobei die Schlucht ein paar hundert Meter von mir entfernt wahrscheinlich wie eine Düse wirkt. Ich muss nur wegen meinen Augen aufpassen. Sie brennen manchmal ganz schön durch den umherfliegenden Sand. Den Abendspaziergang konnte ich mir trotzdem nicht verkneifen. Dabei hab ich mir auch die alten lehmhäuser mal genauer angesehen. Echt genial wie einfach man ein Haus bauen kann.Mit durchschlafen wirds wohl heute nix bei dem Lärm.
Tag 8
Nachdem die sonne weg war hat es nicht lange gedauert und auch der Wind drehte in windstill. Durch die kühle Luft hier oben und die Kraft der Sonne entstehen scheinbar große thermische winde die die gewaltigen Täler hinauf ziehen. So konnte ich recht gut schlafen und fast schon pünktlich bei Dämmerung war ich munter. Ich brauchte wie immer meine knappe Stunde bevor ich zu einer wunderschönen Wanderung aufgebrochen bin. Am Himmel ein paar Wolken spendeten ab und an Schatten und eine Landschaft die für viele auch in Australien sein könnte. 3l Wasser hatte ich im Gepäck und so hatte ich zeit für die 12km bis zu der kleinen aufgegeben estancia an der ich vorgestern vorbei gekommen war und für zelttauglich gehalten hatte. Einen blauen Hügel gings zuerst hinauf bevor ich eine weile durch roten Sand stiefelte der mit Bonsai ähnlichen Gewächsen übersät war. Kam mir vor wie gulliver. Danach gings auf einem Fahrweg über ein steppenartiges kniehoch bewachsenes plateau. Ringsum ragten farbige berge in die Höhe und die vom Wind zerzausten kleinen Wolken machten den tag perfekt. Ja der Wind war wieder da und das war gut so denn auf der Ebene gab's keinerlei schatten. Nach einer Stunde hatte ich den Fahrweg hinter mir. Ich folgte nun einem weiten fast canyonartigen Tal an seiner oberen kante auf einem alten viehtrieb so schien es. Das trockene flussbett schlängelte sich tief unten entlang und ich fragte mich immer wieder, wie die ganzen Pflanzen hier überleben. Mit der Zeit wurde es hügeliger und aus der Ebene wurde ein kamm der mich hoffentlich irgendwie hinunter zum Rio grande bringen sollte. Wenngleich der fluss auch nur so heißt. Aber wenigstens hat er Wasser. Die Täler links und rechts wurden steiler und bizarr. Vorwiegend rot waren die felstürme und die steilen Wände. Irgendwann stürzte ich mich dann einen dieser steilen hänge hinunter und fühlte mich erinnert an meine besten Zeiten. Geröll, Sand, Fels und du wüsstest nie was es ist wenn du drauf tratst. Aber ich geh ja am Stock bzw zwei und so hab ichs ohne Sturz geschafft. Das rot ließ mich wirklich denken in Australien zu sein und die Wärme sowieso. Nach fünf Stunden stand ich im Schatten der riesigen Bäume. Den ich auch dringend gebraucht habe denn mittlerweile war der Himmel wieder blau. Meine Lippen sind mittlerweile auch aufgeplatzt da ich Depp keine Creme mitgenommen habe. In den Kronen spielten spatzengrosse Vögel und die alten lehmhäuser schienen von einem Erdbeben zerstört worden zu sein. Aber das war lange her. Jetzt gab's erstmal nen Topf voll: haferflocken, kokosflocken, knuspermüsli, milchpulver, kakao und Wasser. Und das alles in trinkfähiger konsistenz. Es soll ja Leute geben die ihren löffel vergessen. Die Kleinigkeiten schätzt man halt erst wenn man sie nicht hat. Mein Zelt war als nächstes dran und die Kronen sollten heute groß genug sein um bis zum Abend Schatten zu spenden hoffte ich. Das einzige was ich vermisse ist mal ne richtige Wiese. Mein Zelt sieht durch den ganzen Sand und dreck aus, als ob es schon zehn Jahre alt ist. Heute hab ich dann endlich mal wieder gekocht da ich ein "windgeschütztes" Plätzchen habe und ich keinen Bock auf noch so nen Topf wie mittags hatte. Bin echt am überlegen ob ich den Kocher sein lasse. Ist nur unnötig Gepäck. Hab ja noch paar tage zeit und mal sehen was es in humahuaca für Proviant gibt. Der Abendspaziergang war wie immer musikalisch und farbenprächtig. Zwei Wanderer liefen unten im Flussbett während ich oben an einer felskante saß und in den Abend stierte. Hab mich übrigens entschieden nicht nach humahuaca zu trampen sondern über einen anderen Pass zurück ins Tal des Rio yocaraite zu wandern. Das Essen gibt's her und so muss ich wenigstens nicht ewig warten bis mal ein Auto kommt. Außerdem bekomme ich so den Vulkan yocaraite noch zu sehen den mir ein guide in tilcara empfohlen hat. Von dort ist es reichlich ne Stunde zum Bus an der Straße und ich bin Vormittags in humahuaca und hab zeit mir ne ordentliche bleibe zu suchen. So bin ich also noch drei tage unterwegs bis ich wieder wie ein Mensch essen kann.
Tag 9
Es war kalt in der Nacht und am morgen grüßten mich zwei einheimische die an meinem Zelt vorbei kamen und gleich in der nähe zu tun hatten. Sie schienen allerdings nicht gerade gesprächsbereit denn sie gingen unbeirrt weiter. Nach dem ich meinen Kram fertig hatte lief ich auch weiter. Na ja, eigentlich zurück nur auf einem anderen weg. Erst wollte ich zu der Schlucht durch die man nicht durch kommt und dann hinauf zu den riesigen sanddünen die die Stürme über die Zeit an den westflanken der Berge angehäuft haben. Diesmal ließ ich sogar meinen Pullover an denn die sonne versteckte sich noch hinter den 4000ern über die ich vor drei Tagen geklettert bin. Nur durch die Schlucht drangen ihre strahlen und ließen schon von weitem erahnen welch Ausmaß sie hatte. Als ich dann vor ihr stand bzw in ihr war klar warum der mann sagte da kommt man nicht durch. Zwei meter breit und Felswände von vielleicht 500m auf beiden Seiten. Wieviel Wasser ist nötig um so was zu schaffen. Die Schlucht geht mitten durch eine Bergkette. Fasziniert lief ich zurück zu meinem Rucksack den ich an dem Tal in das ich hinauf wollte stehen lassen hab und aß noch einen happen bevor ich die 500 höhenmeter anging. Es war kein pfad zu sehen nicht vor Ort und auch nicht auf der Karte. Also folgte ich den kuhspuren dem Bach entlang. Das funktionierte auch ganz gut bis ich am ersten Wasserfall stand. Ich entschied mich für die linke Seite um ihn zu umgehen und musste etwa dreißig Meter einen steilen Geröllhang hinauf. Dabei trat ich einen ziemlichen Brocken lose und hoffte das nicht gleich der ganze Hang mit ins rutschen kommt. Die hänge sind alle recht bröckelig und es macht keinen Spaß auf ihnen zu laufen. Die Sonne hatte es mittlerweile geschafft und mein Pullover war im rucksack. Auf der anderen Seite rutschte ich wieder runter zum Bach nur um paar kurven weiter am nächsten Wasserfall zu stehen. Der war nicht ganz so hoch und die Kühe hatten eine sichtbare Umgehung getrampelt. Es dauerte auch nicht mehr lange und ich stand auf einer grünen Wiese die mich an die Alpen erinnern würde wenn nicht gleich dahinter die sanddünen begonnen hätten. Auch die drei Bäume standen wie auf der Karte und so ließ ich mich nicht lumpen und nahm das Geschenk Wiese dankbar an. Die Aussicht war okay nur die fliegen etwas zu aufdringlich. Selbst hier gab es noch kolibris und Kuh hab ich nur eine gesehen. Dazu mövenähnliche vögel und! Meerschweinchen. Ich wußte erst gar nicht was ich von den Viechern halten sollte. Sie waren grau und haben Gras gefressen. Bis ich mal näher ran bin und am Kopf gesehen habe dass es Meerschweinchen sind. Sie kamen aber erst raus als ich meine Spaghetti gekocht habe. Zuvor hab ich ne lange Siesta gemacht und bin dann gg vier noch mal los gestiefelt. Dabei hab ich die wohl beeindruckendste Aussicht genießen dürfen die mann sich vorstellen kann. Es lässt sich nicht mit Worten beschreiben aber die weite und das Meer aus Farben und verschiedenen Formen ließ mich einfach nur dasitzen. Das ganze Gebiet durch das ich die drei tage gelaufen bin und noch zehnmal mehr. So bin ich nach dem Abendessen - im Bach gekühlte Spaghetti (natürlich vorher gekocht) - gleich nochmal dorthin und habe das ganze im viel intensiveren abendlicht betrachtet. Werd ich nie vergessen. Die wenigen Wolken hier verschwinden leider meist ganz zum Abend und so fehlt mir noch ein toller Sonnenuntergang auf meiner ersten Tour. Aber heute gab's ja schon Wiese. Gleich hinter mir geht die sanddüne los die ich morgen 250m hoch klettern darf. Hab schon versucht ne alternative zu finden aber ob die besser ist weiß ich nicht. Wird morgen früh der Bauch entscheiden. Und wenn ich dort drüber bin geht's zwei tage nur bergab.
Tag 10
Blöderweise hab ich heute Nacht nicht gut geschlafen und weiß nicht mal warum. Aber solche Tage solls ja geben. Da ich am morgen auch nichts davon gemerkt habe wars auch halb so schlimm. Schlimm dagegen war der Anstieg. Feinster Sand! Der absolut keinen Halt bot. Da bin ich schon einen kleinen Umweg gelaufen um mir das gröbste zu ersparen. Jedenfalls war ich alle paar Schritte fix und alle und dabei dachte ich ich hab mich halbwegs an die Höhe gewöhnt. Nach anderthalb Stunden und reichlich kunstpausen stand ich aber oben in mitten von herrlichen sanddünen. Viele waren sogar bewachsen. Keine Ahnung woher die Pflanzen das Wasser nehmen. Noch einmal blickte ich über die einmalig schöne landschaft der letzten Tage und war mir sicher sie wiederzusehen. Nach nem kurzen passstopp gings abwärts und mir wurde schnell klar das ich mich absolut richtig entschieden hatte als ich vor fünf Tagen in das andere tal hinauf gestiegen bin und nicht dieses. Ich hatte keine Chance gehabt. Das absteigen durch die 700 m Sand war jedoch alles andere als schlimm. Zum Schluß gings 200m gefühlt senkrecht eine Düne hinunter und ich hatte schon angst eine sandlawine auszulösen. Der Sand knirschte wie Schnee und sah auch fast so aus. Gegen 11 war ich unten und fand einen Baum wie für mich gemacht. Mal wieder an einer alten estancia. Es war warm echt warm und ich stellte mir wie ich dieses tal hätte hinauf kommen sollen. Da bin ich lieber zum Fluss und hab erstmal meine Klamotten für ne halbe Stunde ins Wasser gelegt und mich ins Zelt. Um zwei gings mit frischen Klamotten hinein in die Schlucht in der ich schon von der anderen Seite gestanden habe. Wegen 50m musste ich einen riesen Umweg laufen. Doch im Nachhinein war es gut so. Hätte viel verpasst. Auf dem Rückweg bildeten sich talabwärts riesige quellwolken und ich ahnte schon schlimmes. Aber ein wenig regen tät der Landschaft und mir gut. Nur nicht zu heftig bitte. Doch daraus wurde eh nix. Bei meinem Zeltplatz zeigten sich paar kleine weiße Fetzen. Dafür hab ich mich wohl im Revier eines stattlichen Bullen niedergelassen. Jedenfalls lief er mir übern weg als ich mir die alten Häuser ansah. Die ganze estancia scheint durch eine schlammlawine zerstört worden zu sein denn die Häuser ragen teilweise nur noch zur Hälfte aus dem boden. Hoffe mein Zelt flöst dem "Rindvieh" genug Respekt ein und er macht nen Bogen drumherum. Zum Glück hab ich nen grünes und kein rotes. Der Wind ist zum Sturm geworden und mein Zelt steht voll im windkanal. Und das auch noch quer. Ob das gut geht. Dann ist mein Baum von irgendwelchen Raupen befallen. Hab ich gemerkt als ich barfuß gelaufen bin und nachher Unmengen klebriger Viecher an den Füßen hatte. Hat ne ganze Weile gedauert bis ich die wieder ab hatte. Jetzt sind sie wenigstens mal richtig sauber. Meine Spaghetti werden wohl nicht alle werden denn ich bin froh wenn mein Zelt stehen bleibt.
Tag 11
Zum Glück hat der Sturm sich gelegt als es dunkel war und ich konnte ganz ohne störende Gedanken und Geräusche einschlafen. Trotzdem hab ich um ne viertel Stunde verschlafen und bin nicht wie sonst um sechs munter gewesen. Das Tal des Rio yocaraite führt nach Osten und so stand mir ein tag in der prallen sonne von vorn bevor. Nur am Anfang konnte ich die Schatten der Felswände des noch recht engen Tales nutzen. Doch als es sich weitete und die sonne immer höher stieg war nichts mehr zu machen. Es war wie eine andere Welt zu den letzten tagen. Zwar hatte es noch die selbe Farbenpracht doch die weite war durch die hohen berge zu beiden Seiten etwas verschwunden. Ich kam an meinem Zeltplatz vorbei und der fluss hatte genauso viel Wasser wie vor sechs Tagen. Das Tal war nun einige hundert Meter breit und die Blicke in die seitentäler waren teilweise spektakulär. Trotzdem muss die Gegend vor nicht allzu langer Zeit von einem schweren Unwetter heimgesucht worden sein. Die Berghänge sind voller Narben der herabrauschenden Wassermassen und die flussbetten sind die reinsten geröllhalden. Wenn ich mir vorstelle dass das ganze tal voller Wasser gewesen sein muss dann wollte ich zu der zeit lieber nicht hier zelten. Ein bisschen bammel hab ich ja schon in eins der schweren Unwetter hier zu geraten. Kann nur sehen dass ich immer einen halbwegs sicheren Platz finde. Aber man soll nicht ans schlechte denken wenns doch gerade so schön ist. Komischerweise kam mir auf halbem weg der Bauer aus dem nachbartal entgegen gelaufen. Er wollte zu einem freund der wiederum in diesem tal lebte. Er wollte gar nicht glauben dass ich immer noch unterwegs bin. Kurz darauf gab's Frühstück unter einer überhängenden und Schatten spendenden Felswand. Mann bin ich froh bald wieder einen löffel zu haben. Danach kam mir noch ein Mädchen entgegen die allerdings außer Guten Tag nichts zu sagen hatte. Obs an meinen schwarzen Klamotten lag? Genau am Vulkan yocaraite fand ich am ende einer estancia ein schönes Plätzchen mit fast Wiese und nem alten knöchernen baum. Damit ist meine erste Tour fast vorbei und ganz ehrlich ich bin froh dass ich am ersten tag noch nach Wasser gesucht habe und nicht umgedreht bin. Ich war noch nie in einer so trockenen Gegend unterwegs und ich muss mich noch dran gewöhnen nur vier fünf Stunden am Tag laufen zu können doch ich finde es absolut faszinierend unter was für Voraussetzungen so eine Vielfalt an leben noch möglich ist. Und man könnte denken das hier irgendjemand berge wild durcheinander hingeworfen hat. Teilweise liegen also stehen quasi die gesteinsschichten senkrecht. Ich hoffe nur dass sie auch so bleiben solange ich hier bin. Wasser ist absolut kein Problem wenn man seine Route halbwegs danach legt und mittlerweile hab ich auch ein Gefühl dafür in welchem tal Wasser ist. Natürlich sind satellitenbilder eine riesengroße hilfe. Und manchmal schäm ich mich mit Hightech durch die Berge zu laufen. Hoffe nur dass mein hightech-steripen durchhält denn ohne Behandlung wollte ich manch Wasser nicht trinken. Der Anfang war schwer gerade wegen der Höhe doch mit der zeit hab ich meinen Rhythmus gefunden. Hätte mich halt doch an die 300m pro tag halten sollen. Fünf grad weniger wären toll aber so ne Siesta hat ja auch was und glücklicherweise bin ich bis jetzt ohne richtigen Sonnenbrand ausgekommen. Lavidal 50+ spray kann ich nur empfehlen. Mein Proviant hätte noch für drei Tage mehr gereicht aber ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie sehr man einen löffel vermissen kann;) Und wenn ihr wissen wollt was richtig gut tut dann tretet barfuß in einen getrockneten 3cm langen akaziendorn. Zum Glück steckte er in der Ferse. Ja ich weiß selbst schuld:)Zusammen mit der Südküste tasmaniens und dem dusky track in neuseeland war es für mich die beeindruckendste Tour die ich bisher gelaufen bin. Der Kontrast zwischen der staubigen trockenheit und hitze, den trotzdem blühenden Sträuchern, den farbigen und mächtigen bergen sowie die rinnsale in den überdimensionalen flussbetten machen diese Landschaft für mich einzigartig.Bin am überlegen ob ich von humahuaca aus einen Ausflug zu den salzseen mache falls die dort so was anbieten. Wöllt ich schon mal aus der nähe sehen und nicht nur aus der Ferne. Auf der anderen Seite der quebrada de humahuaca sind am abend dicke Wolken an den Bergen hängen geblieben und schaffen es nicht drüber. Ich denke das die Chance auf regen dort größer ist bei meiner zweiten Tour. Diesmal von humahuaca nach tilcara oder auch weiter...
Tag 11
Ich habs geschafft und bin in humahuaca. Am letzten Tag gab's dann doch noch nen bewölkten Himmel und so hab ich nicht allzu sehr geschwitzt bis zum bus. Ein hostel hab ich auch und nen Schnitzel gab's auch schon. Transport zum Startpunkt für die nächste Tour ist auch schon organisiert. Bleibt nur das sie meine Kredit missbraucht haben und die nun gesperrt ist. Zum Glück hab ich meine Sparkassen Karte mit und die hat zumindest an der Bank hier funktioniert. 


Humahuaca - Tilcara

Tag 1
Nachdem mein freier Tag gestern anstrengender war und ich die ersten Gewitter miterleben konnte gings heute wieder zurück Richtung Süden. Aber zu gestern. Ich bin mit dem bus nach tres cruces gefahren und wollte zu einigen felsbrücken laufen. Ich hatte keine Ahnung wo die genau waren. Doch man konnte sie glücklicherweise vom Bus aus sehen. Ganz oben auf dem Berg in einer kleinen senke. Eindeutig zu weit zum laufen zumindest hin und zurück. So fragte ich in tres cruces ein paar Leute und der Sohn der Bürgermeisterin brachte mich schließlich mit dem Motorrad bis zum Wanderweg. So brauchte ich nur noch die 400m hinauf und anschließend 6km zurück nach tres cruces. Die eine der  felsbrücken war etwa 30m lang und hatte an der schmalsten stelle einen Durchmesser von vielleicht 2m. Dazu gab's Pinien bayrischen Himmel und weitsicht vom feinsten. Der Nachteil des ganzen: ich bin um halb zwölf los gelaufen und somit 5 Stunden in der prallen sonne unterwegs gewesen. Ich war so was von froh wieder am Bus zu sein. Derweil zogen heftige Gewitter über die punawüste und dort wo ich die tage zuvor unterwegs war hat es mächtig geschüttet. Ich hab nur paar tropfen abbekommen als ich bei der Grenzkontrolle auf meinen bus gewartet hab. Um sechs war ich wieder in humahuaca. Dort hab ich den restlichen Proviant besorgt war Steak essen und hab mir noch ne ausgiebige dusche gegönnt. Heute morgen gings mit dem Taxi zum Ausgangspunkt für meine Tour nach tilcara. Das hieß um zehn loslaufen. Bei gemeldeten 27grad und die sonne von vorn. Nur leicht bergan aber dafür mit vollem rucksack und Wasser. Auf dem Pass erwartete mich der ausblick auf eine der bizarrsten felsformation unserer Erde. Ein Berg in angeblich dreizehn Farben der um 90 Grad gekippt zu sein scheint und das auf einer Länge von ca Zehn Kilometer. Man muss es gesehen haben. Mit Brot und Salami stärkte ich mich für den Abstieg. 600m auf 1km luftlinie. Es war der Horror. Große Steine steil unendlich viele Serpentinen und die sonne brannte von oben. Eine Stunde und ich war unten am Fluß. Ich lief sofort zu dem Baum den ich von oben gesehen hatte und setzte mich ne Viertelstunde in den Schatten. Leider gefiel mir der Zeltplatz nicht so dass ich noch ein Stück weiter bin. Das war auch gut so. Trockenes Gras Schatten und der Bach in der nähe. Mein Magen flehte nach Nahrung und ja ich habe nen löffel. Danach war Siesta und als ich so gen Himmel starre denke ich auf einmal das es schneit. Weiße flocken wirbeln umher. Doch es sind schmetterlinge. Zu Millionen flattern sie durch die Luft. So hoch als seien es vögel. Irgendwann flatterten dann überall paarweise Schmetterlinge herum. An jedem Busch tummelten sich unzählige von ihnen.  Bis sie der abendliche Sturm schließlich vertrieben hat. Die Gewitterwolken sind auch fort und so werde ich heute schlafen wie ein Bär nachdem letzte Nacht nicht viel war mit schlafen. Bin halt zu alt für hostels und Jugendliche partys.
Tag 2
Ein Gewitter entlud sich heute Nacht mit zwei blitzen ganz in der nähe. ansonsten hab ich die Ruhe gegenüber der Stadt genossen so dass ich glatt wieder verschlafen habe. Es hielt sich allerdings in grenzen und ich bin gerade noch um sieben los gekommen. 700m und etwa 10km hinauf auf 4200m stand auf dem Plan. Immer im bachbett entlang und noch ne ganze Weile im Schatten. Trotzdem war es ziemlich anstrengend da es über lose Steine und Geröll ging. Noch dazu war mein Rucksack noch voll bepackt. Blöderweise wurde das Wasser im Fluß schnell immer weniger obwohl die Berge noch ziemlich hoch waren. Durch den losen Kies fließt das meiste Wasser jedoch unterirdisch. Als es dann ganz versiegte stand ich vor einem kleinen Problem. Erstens hab ich die Karte nicht richtig gelesen denn es waren insgesamt 900 höhenmeter da die hochebene bei 4400 m liegt und zweitens musste ich für die verbleibende Strecke jede menge Wasser mit schleppen. Weiter konnte ich nicht 100% sicher sein das oben  Wasser ist. Es war halb elf und die sonne brannte ohne gnade. Noch 600m bei der hitze? Nö! Vor mir lag ein Flecken Wiese und vor allem gab es noch Wasser. Außerdem hatte ich noch nen Ruhetag gutzumachen und irgendwann im Nebel der jeden nachmittag aufziehenden Wolken zu stehen vielleicht noch ohne Wasser und völlig fertig hatte ich auch nicht unbedingt vor. Ich erkundete kurz die Umgebung und dann richtete ich meinen Platz zum faulenzen her. Diesmal spannte ich den Schlafsack zwischen Zelt und Stöcke und musste so nicht im Zelt schwitzen sondern hatte den frischen Wind in der Nase. Es wird ein harter Knochen morgen dachte ich mir. Vor allem wegen der Höhe. 600m und 5km ist eigentlich ein klaks, doch ab 3500m ist es mit rucksack einfach nur ermüdend. Es zog ganz schön zu am nachmittag und die Berggipfel waren schnell in Wolken gehüllt. Sogar ein paar tropfen gab's hat aber nicht gereicht um mein Zelt sauber zu kriegen. Trotzdem war zum späten Nachmittag meine aufstiegsroute völlig in Wolken. Zwei Kühe hatten ihre Probleme mit mir da ich anscheinend auf ihrer Wiese zeltete. Die eine von beiden war mutig oder auch durstig denn sie traute sich bis auf ein paar Meter an mein Zelt um aus dem rinnsal unterhalb der Wiese zu trinken. Die andere verdurstet hoffentlich nicht. Mal sehen wies am morgen aussieht. Vielleicht kann ich ja im Nebel aufsteigen. Ist zwar nicht ohne aber dann wirds wenigsten nicht so warm. Am Abend dann eine gespenstische Stimmung. Dunkle Wolken mit einigen Lücken durch die das orange des Sonnenuntergangs schien. Das ganze tal bekam einen rotschimmer und die Wolken bzw wolkenfetzen die der Wind über die berge ins Tal blies wandelten zwischen tief schwarz und hellem orange. Mit einem Mal war es windstill und irgendwie schien die zeit auf einmal zu stehen. Die 600m von morgen waren jedenfalls erstmal weit weg.
Tag 3
Gleich in der zweiten Nacht kam ich in den Genuß eines heftigen Gewitters. Zwar regnete es nicht allzu sehr aber es blitzte und donnerte aus allen Richtungen. Mein Platz war nicht wirklich ideal da nur wenige Meter von ner wasserader aber es ging alles gut. Durch das Echo in den Bergen hörte es fast gar nicht auf zu donnern. Doch nach ner halben Stunde war zum Glück alles vorbei und ich konnte in aller Ruhe einschlafen. Ja und meine Hoffnung auf Wolken am morgen wurde erfüllt. Die Wolken hingen knapp über den Bergen und es hat ziemlich abgekühlt. Kein Wunder das es gestern Abend noch Gewitter gab. Ein paar berge weiter liegt sogar schnee. Ich dachte erst es sind Wolken aber nein es war tatsächlich schnee. Mir sollte es recht sein auch wenn es ein komisches Gefühl ist bei solchem Wetter hinauf in die Berge zu steigen. Noch dazu unbekannte. Ich folgte dem flussbett und kam auch bald wieder an Wasser. Also eine Flasche ausgekippt. Trotzdem war es gut dass ich auf der Wiese gezeltet habe da das Gelände nun viel zu steil war. Ich sah einen Pfad abgehen doch ich wollte dem fluss folgen bis zu der Stelle die ich mir auf der Karte ausgesucht hatte. Das wäre zwar beinahe in die Hose gegangen doch zwei schmale steile stellen in dem mittlerweile zur  Schlucht gewordenen tal konnte ich gerade so erklettern. Bevor ich den fluss verließ gab's noch nen happen zu essen und dann wurde es richtig steil. Doch komischerweise kam ich echt gut voran. Obs am kühlen Wetter lag oder am ruhetag keine Ahnung. Ich fand einen guten Rhythmus und gewann schnell an Höhe. Bei reichlich 4000m kam ich zu einem saumpfad. Er war perfekt angelegt, wahrscheinlich schon vor hunderten jahren, hatte genau die richtige steigung. So flog ich förmlich den Berg hinauf und war nun froh dass sich ab und an die sonne zeigte denn es war der erste Tag an dem ich die ganze zeit mit Pullover lief. Die einzige sorge war nun noch ob oben auch Wasser ist. Der Blick zurück war gigantisch und kurz nach 11 erreichte ich die kleine hochebene auf der ich zelten wollte. Mein erster Gedanke war jedoch scheiße denn die wasserlöcher die auf den satellitenbildern zu sehen waren waren alle leer. Ich ließ den Rucksack fallen und lief quer über die große Wiese zu einer Stelle wo das Gras dunkler war und war heilfroh dass dort wenn auch nicht viel aber Wasser floss. Dusche kann ich jedenfalls vergessen. Also zurück zum rucksack schöne stelle fürs Zelt gesucht und erstmal ordentlich gefuttert. Danach hieß es Stativ reparieren da ein Gewinde ausgenuddelt war und alles Papier und Holz nichts geholfen hat. Zum Glück hab ich ein kleines Messer und konnte es reparieren. Es dürfte halten. Dabei bemerkte ich dass selbst hier in 4400m pferdefliegen nach Blut suchen. Gestern hab ich zum ersten mal Bekanntschaft mit ihnen gemacht. Zum Glück sind sie nicht ganz so groß wie in Patagonien. Die Sonne kämpfte mit dem hochnebel und ich verschwand ne runde in die gegend. Das ganze tal durch welches ich hinauf gelaufen bin muss komplett in sich zusammen gestürzt sein. Die gesteinsschichten auf beiden Seiten sind genau entgegengesetzt gekippt. Zum Glück war ich nicht hier als das passiert ist. Ich glaube es ist der erste tag an dem am nachmittag kein wind weht. Es wäre totenstill wenn nicht ab und an ne fliege vorbei käme. Beim Abendspaziergang durch die felsen und mitten in der pampa liegenden Kolosse an Steinen, zwischen denen man denkt dass einen gleich ein Puma anfällt, sahs noch so aus als ob es gleich regnet doch dann auf einmal wurde alles rot. Der Himmel brannte und erleuchtete selbst die berge. Nun hatte ich endlich meinen Sonnenuntergang. Es wird wohl Frost geben heut Nacht und ich hab vorsichtshalber meine Flaschen noch gefüllt falls das rinnsal morgen früh gefroren ist. Es scheint eine ruhige Nacht zu werden.
Tag 4
Gut dass ich meine Wasserflaschen noch gefüllt hatte die waren nämlich auch gefroren. Es war arschkalt sobald ich aus dem Schlafsack gekrochen bin und so bin ich glatt ne halbe Stunde später aufgestanden nachdem ich im Zelt gefrühstückt habe. Einen großen Unterschied hats zwar nicht gemacht aber ich war zum ersten mal froh die sonne zu sehen hier. Hab schon überlegt die Handschuhe raus zu holen. Doch zwei tshirts und ein Pullover mussten reichen für die 200m Anstieg bis hinauf zum Pass. Ich hatte nicht gut geschlafen und die 4400m waren wohl doch ein wenig zu hoch und am morgen dachte ich mir schon noch einen tag Pause einzulegen doch der antreiber in mir hat gesiegt. Genauso als ich ziemlich fertig auf dem Pass stand, mir ein eisiger Wind ins Gesicht blies und mich unten im tal ein Zeltplatz anlachte mit Wiese und wasser. Ich hab lange mit mir gekämpft doch ich bin weiter immer in der gleichen Höhe an den Bergen entlang. Ich folgte ein paar lamaspuren und hoffte das es an der stelle die ich mir auf der Karte ausgesucht hatte auch Wasser gab. An einem Pass musste ich hinauf auf 4700m, mein bisher höchster Punkt, und zuvor über ein fieses geröllfeld. 45 grad und oben überhängende Felsen die jederzeit runter zu kommen drohten. Ich war froh als ich drüber war ohne mir die Beine zu brechen. Vom Pass aus ein fantastischer Blick auf ein wolkenmeer im osten. Die 2000m hohen berge deren gipfel herausragten wirkten zwischen den Wolken wie Hügel. Im südwesten ragte in einiger Entfernung der chañi mit knapp 6000m in den blauweißen himmel. Eigentlich wollte ich ihn im vorbeigehen besteigen, doch nach meinen jetzigen Erfahrungen steht da noch ein großes fragezeichen. Noch immer war es frisch. Trotzdem machte ich auf einem riesigen Balkon eine längere pause und ließ die Szenerie wirken. Danach gings wieder abwärts und natürlich gab's kein Wasser. Das ganze tal war ausgedörrt und so blieb mir nichts weiter übrig als weiter abzusteigen. Irgendwann sah ich einen grünstreifen in einem seitental und hatte Glück. Leider war ich nun viel zu tief als das ich die Aussicht nach Osten genießen konnte. Ich baute einen kleinen Damm um am abend eventuell eine dusche zu haben. Mittlerweile war es wieder verdammt warm, der Boden flimmerte und ich froh das der Wind noch wehte. 4000m zeigte das gps und so sollte ich besser schlafen heute Nacht. Luftlinie bin ich etwa 5km gekommen aber ich bin einen ziemlich großen Bogen gelaufen da ich unbedingt die Aussicht nach Osten sehen wollte. Und ich hätte echt was verpasst. Die berge hier im tal sind sanfter und ich glaub ein wenig strapaziert von zu vielen Kühen. Ich sehe zwar keine aber sie haben so einiges liegen lassen. Ich glaub ich hab mir den Magen verstimmt oder auch verkühlt heute morgen. Hoffe es lag nicht an irgendwelchem wasser. Es fliegen immer noch vereinzelt schmetterlinge rum und zwischen den Felsen springen waschbär ähnliche Viecher rum. Puma hab ich jedoch keinen gesehen nicht mal Spuren. Obwohl es hier ein paar geben soll. Morgen geht's wieder zu nem fluss. Bedeutet zwar ab und aufstieg von fast 1000m aber ich will endlich mal wieder ordentliches Wasser trinken. Am Abend bekam ich noch Besuch von einer schäferin mit ihrem hund. Sie wollte wissen was ich hier mache. Ich glaub ihr gefiel nicht dass ich hier zeltete. Richtig gut fühl ich mich nicht aber vielleicht ist es morgen wieder besser. Ein toller Sonnenuntergang kann nur ein gutes Omen sein.
Tag 5
Was für eine nacht!! Halb eins wurde ich unsanft geweckt und dachte ob das mal gut geht. Mein Gefühl mein Zelt umzusetzen nachdem die schäferin da war hat mich nicht getäuscht. Doch leider hab ich es nicht gemacht. Ein betrunkener Bauer wollte sich bei mir beschweren weil ich auf seinem Land zelte. Er hatte zwei Hunde mit und ich hab mich so gut es ging bei ihm entschuldigt und ihm erklärt das ich nur hier zeltete weil ich Wasser brauch. Ich muss dazu sagen das nächste Haus ist laut Karte zwei Kilometer entfernt und ansonsten ist da nur ausgetrocknetes land. Er dachte ich bin an seinem Haus vorbeigekommen weil ich der schäferin erzählt habe dass ich von pucara komme. Nur leider bin ich es nicht da ich nicht die Straße gelaufen bin. Das konnte er gar nicht verstehen bis ich ihm gesagt habe das ich die berge mag und deswegen nicht die Straße gelaufen bin. Von da an war er mein freund bzw. Ich seiner und er hat mich bis um drei zugemüllt mit betrunkenem spanisch. Er wollte sogar mit in meinem zelt schlafen bis er gemerkt hat dass es zu klein für zwei ist. Irgendwann als er gemerkt hat dass ich ihm nicht mehr zu höre ist er nach dem gefühlten zehnten Anlauf endlich heimgetorkelt. Keine Ahnung ob er angekommen ist. Es waren bestimmt um die null grad. Seine beiden Hunde wollten gar nicht mit. Der eine hatte es sich schon in der Apsis bequem gemacht. Ich war so was von froh dass die Sache ohne ärger abgegangen ist und als Frau hätte ich glaube Panik geschoben. Meine Nacht war trotzdem versaut. Kurz nach sechs bin ich total übermüdet aufgestanden und hab genau so gefroren wie tags zuvor. Frühstück im Zelt und danach Richtung Süden. Anfangs auf einer Höhe bis zu einem Pass. Von da aus musste ich knapp zweihundert Meter rauf. Alles querfeldein auf einem kamm entlang. Schon auf der Karte hab ich gesehen dass es schwer wird wieder runter zu kommen da das Gelände sehr steil und felsig war. Irgendwann hab ich weit unten einen Pfad gesehen und hab auf ihn zu gehalten. In selbstgedachten Serpentinen hab ich mich förmlich nach unten gekämpft und beim Blick zurück wollte ich selbst nicht glauben da runter zu sein. Von nun an brauchte ich nur noch dem Pfad zu folgen und hatte dabei genau wie gestern herrliche Ausblicke auf ein unendliches wolkenmeer wie man es sonst nur aus dem Flugzeug kennt sowie die fast senkrechten Felswände der umliegenden Berge. Es ist erstaunlich wie schnell sich die Landschaft hier ändert. Ich war schwer beeindruckt von der Kulisse und spürte meinen Respekt vor der Natur ein wenig größer werden. Bis auf 3000m gings runter und Punkt zwölf hatte ich meinen Zeltplatz gefunden. Direkt am Fluss. Ich hoffe nur dass es nicht ausgerechnet heute regnet. Zumindemst hab ich eine ruckzugsmöglichkeit. Ein frischer wind weht das tal hinauf und meine gewaschene Wäsche dürfte in Kürze trocken sein. Ich bin es schon nach ner ausgiebigen dusche und am Himmel kreisen fünf kondore die wohl meinen ich kippe gleich um. Nein so schlimm war es noch nicht. Ich hab meinen Platz am Fluß doch noch vorzeitig gegen einen auf einem kleinem Plateau eingetauscht da sich am Himmel dunkle Wolken zusammenbrauten und ich keine Lust habe das ganze im Dunkeln zu machen. Noch dazu ohne taschenlampe. Die blinkt nur noch alle paar Sekunden und lässt sich nicht mal ausschalten. Hab sie schon auseinander gebaut doch da ist nur Elektronik drin wie solls auch anders sein. Ein Esel kam noch vorbei ein nicht betrunkener tja und dann bin ich am überlegen wie weiter. Runter in den Dschungel oder wieder rauf und was sehen. Ehrlich gesagt habe ich keinen Bock auf handtellergroße Vogelspinnen von daher wirds wohl eher zweitens. Hoffe nur dass kein Nebel ist morgen denn mittlerweile schiebt es sogar das wolkenmeer immer weiter ins tal  Hinauf sind es morgen 800m auf 4km luftlinie und danach nochmal 3km am kamm entlang. Ein guter Grund sich Vogelspinnen anzutun. Auf alle Fälle ist es mal wieder ein gutes Gefühl einen Bach vorm Zelt rauschen zu hören.
Perfekter Tag
Es war warm am morgen und bis auf eine Kuh die mich geweckt hat verlief die Nacht absolut störungsfrei. Morgens dann ein paar Wolken am Himmel und ziemlich kräftiger Wind. Schon vor sieben bin ich los gelaufen und hab mich natürlich für die berge entschieden. Gleich zu Beginn gab's ne morgensporteinlage da ich erstmal vom Fluss zum pfad hinauf musste. Dieser lag hundert Meter höher denn durch die Schlucht war es leider nicht möglich. Also hoch und nach paar hundert Metern wieder runter. Am Fluss hab ich Wasser getankt denn von nun an gings ständig bergan. Wobei das steilste Stück das aus der Schlucht raus war. Ich bewundere die indios wie sie ihre Wege angelegt haben. Mit einer fast gleich bleibenden steigung. So fand ich einen guten Rhythmus und die Aussicht übers tal wurde mit jedem Schritt besser. Nach der ersten kleinen estancia die nicht bewohnt war gab's ne halbe Packung kekse. Der pfad schlängelte sich am Berg entlang und schien öfters benutzt zu werden. Etwas abseits arbeiteten zwei Bauern auf einem kleinen feld ihrer estancia. Die ganzen bergbauernhöfe sind nur mit eseln oder maultieren zu erreichen und das nicht an einem tag. Manchmal ist es für mich ein ungutes Gefühl. Ich laufe zum Spaß durch diese berge und die Menschen hier ringen Tag für Tag mit der natur um zu überleben. Es ist alles völlig ausgetrocknet und ich frage mich wie das funktioniert. Die meisten haben eine Herde schafe, ein paar Kühe und esel. Mit den Schafen wandern Sie durch die Berge und die Kühe und Esel werden sich selbst überlassen wobei die Esel abends meistens heim kommen. Vielmals wurden Bewässerungskanäle über zig Kilometer angelegt um das Wasser vom Fluss auf die kleinen Felder zu bringen. Es war ein wunderbarer tag. Nicht zu kalt und nicht zu warm. nur der starke Wind ärgerte mich da er von vorn kam und mir ständig die Luft nahm. An einer kleinen Quelle - Wasser umsonst geschleppt - gab's die andere Hälfte Kekse und nach dreieinhalb Stunden war ich auf dem pass. Dort fand ich wie erhofft einen kleinen pfad der mir den Kamm ersparte da er auf nahezu einer Höhe am Hang entlang führte. Beim Blick nach unten dachte ich nur: Bobe du spinnst!  Vor allem wenn ich mir die Strecke der letzten beiden Tage ansah die ich fast komplett überblicken konnte. Von 4700 runter auf 3000 und wieder hoch auf 4000. Kurz nach zwölf war ich auf der kleinen hochebene auf der ich zelten wollte nur leider war sie völlig trocken. Ich lief zum anderen Ende wo sie abrupt abfiel und in einer Schlucht endete. Ich stand an der kante einer mehr als 4000m hohen Bergkette und blickte über halb Argentinien hatte ich das Gefühl. Unten die grünen berge mit Urwald oben zogen die kondore ihre Kreise und glücklicherweise kam ein paar Meter vor der kante ein kleines rinnsal aus dem Berg. Ich war froh dass ich hier zelten konnte auch wenn ich dreißig Meter runter und hoch klettern musste um ans Wasser zu kommen. Nicht mal eine Stunde hab ichs im liegen ausgehalten bis ich durch die majestätische Landschaft gestiefelt bin. Ich hab die kondore beobachtet und mich gefragt wieviel Kraft ist notwendig um die berge so anzuheben. 1500 meter konnte ich nach unten blicken und wäre zu gerne ein kondor gewesen. Ein paar Esel kamen vorbei und suchten nach was essbaren. Ich aß derweil meinen zweiten Topf Müsli. Ich bin den ganzen nachmittag rumgelaufen. Komischerweise ist die Ebene voller kleiner Blumen in allen erdenklichen farben. Ja es war ein perfekter Tag und sogar der Himmel wurde rot am abend.
Tag 7
Mal wieder hab ich keinen schlaf bekommen. Es stürmte die ganze Nacht. Auch am morgen sah es nicht anders aus und trotzdem hab ich mich raus gewagt und hab mir den glutroten Sonnenaufgang angesehen. Der Wind war eiskalt und so hab ich zum ersten mal meine regenjacke und die Handschuhe rausgeholt. Mit langen Unterhosen gings schließlich los mit,  zum Glück, rückenwind. Irgendwie war ich nicht richtig bei der sache und hab alles gar nicht richtig wahr genommen. Erst als ich an eine riesige Quelle kam war ich munter. Mitten aus dem nichts kam auf einmal ein ein Meter breiter Bach aus dem berg. Das war so was von unwirklich dass es hätte ein traum sein können. Natürlich nahm ich eine Flasche von dem glasklaren Quellwasser mit. Ein kurzes Stück später hätte ich beinahe meinen abzweig verpasst. Ich musste in ein seitental hinauf wo ich einen Pfad finden wollte der mich in einer Höhe an den Bergen entlang bringen sollte. Nur dumm das der Wind nun voll von vorn kam. So hab ich für den einen Kilometer genauso lange gebraucht wie für die bisherigen drei. Du bekommst solche Atemnot und musst dich jedes mal für ne weile aus dem Wind drehen bis du wieder normal atmest. Irgendwie kam ich auf den Sattel zum nachbartal und fand dort auch den pfad. Wieder sah die Landschaft anders aus auf der seite. Vulkanischer. Rot mischte sich mit grün und schwarz. Ich folgte dem Pfad und kam an ein altes indiohaus. Aus wilden Steinen und dreck gemauert und ein strohdach mit lehm oder so verstärkt bzw anders rum. Leider gab's kein Wasser sonst hätte ich übernachtet auch wenn die Türen mit etwa einsfünfzig ein wenig zu klein für mich waren. Ich kam ins nächste tal und siehe da schon wieder fließend Wasser. Meine obligatorische zweite kekshälfte war dran und dann gings wieder um den Berg rum ins nächste tal. Eine alte estancia die offensichtlich unbewohnt war lag auf der anderen talseite wo auch paar Esel grasten. Ich lief weiter taleinwärts und suchte mir auf der riesigen Wiese ein Plätzchen am Wasser was halbwegs grade war. Nach unten eine herrliche Aussicht und nach oben knappe fünftausender. Was will man mehr. Schnell Socken ins Wasser und dann nen großen Topf musli. Kurz nach zwölf. Ich hatte kurz überlegt noch ein tal weiter zu laufen doch im Nachhinein war es gut dass ich geblieben bin. Urplötzlich drehte der Wind und blies die Wolken aus dem Tal hinauf und die Berge waren verschwunden. Nebel ist wohl neben Gewitter das besch... was du in unbekannten Bergen haben kannst. Also verkroch ich mich ins Zelt. Als die sonne wieder raus kam und ich raus sah war talwärts nur noch eine riesige schwarze quellwolke zu sehen. Da musst du erst mal tief durchatmen bis du realisierst wie faszinierend so eine Wolke von der seite gesehen ist. Die Geschwindigkeit mit der sie größer wird und nur paar Minuten später wieder in sich zusammen fällt. Vielleicht gibt's ja endlich mal regen und sieht nicht nur danach aus. Ich würde es den Menschen hier wünschen. Überhaupt hab ich vor den Menschen hier in den Bergen größten Respekt. Ich finde es unglaublich wie sie mit so wenig Mitteln leben. Und wenn wir für das Rindfleisch etwas mehr bezahlen würden hätten sie es auch einfacher und auch die Natur würde weniger strapaziert da die Menschen nicht so viel Tiere halten müssten.Das Spiel mit den quellwolken wiederholte sich noch einige male. So auch am Abend als sich tief unten eine riesige Gewitterwolke bildete die unglaublich schnell in die Höhe schoss und dabei vom abendlichen Sonnenlicht eingefärbt wurde. Werd ich nie vergessen dieses bild. Abundzu kommt das grollen bis hier rauf und ich bin gespannt ob es ne ruhige Nacht wird. Die Berge sind wieder in Wolken gehüllt und ich gleich in meinen Schlafsack der doch noch mehr zu tun hat als nur Schatten spenden. Es wird wieder kalt heut nacht.
Tag 8
Die Nächte sind die letzten Tage recht ereignisreich. Nachdem es dunkel war und ich so halb am einschlafen fing es plötzlich an heftig zu blitzen jedoch ohne donner. Ich sah raus und traute meinen Augen nicht. Hinter dem berg hatte sich eine mächtige Gewitterwolke gebildet in der es ununterbrochen aufblitzte. Vielleicht jede Sekunde ein Blitz und das ging zwei Stunden so. Teilweise leuchtete die ganze wolke. Ich dachte nur bleib bloß hinterm berg. Es war ein faszinierendes Schauspiel welches wiederum von einem dunķlen  knurren unterbrochen wurde. Ich habs erst gar nicht richtig wahr genommen bis mir bewusst wurde, dass ein Bulle in der nähe war. In der Nähe war gut. Er stand angestrahlt vom Mond und den blitzen vielleicht dreißig Meter von meinem zelt. Ich ging raus damit er mich sah doch er ging nur paar Meter zur Seite in eine sandkule wo er aufgebracht mit den Hufen scharrte und seinem Kopf hin und her schwenkte. Er sah bedrohlich aus. Schwarz, bullig und wahrscheinlich gefielem ihm die blitze nicht. Ich blinkte ihn mit meiner taschenlampe an worauf seine Augen im Dunkeln leuchteten mehr aber auch nicht. Ich sagte ihm er solle sich dich bitte für eine nacht eine andere kule suchen aber er tat nicht dergleichen. Auch als ich paar Meter auf ihn zuging. So nahm ich einen Stein und warf ihn in seine Richtung. Und siehe da es zeigte wirkung. Er wich zurück. Ich nahm einen größeren und dann hatte er genug. Er rannte plötzlich das tal hinab. Nach paar Metern drehte er sich nochmal um worauf ich zielgerichtet auf ihn zulief. Das war ihm dann zu bunt und er hat endgültig klein bei gegeben. So konnte ich weiter fasziniert dem blitzen in der Wolke zusehen. Irgendwann zog dann wieder Nebel auf und es fing zum ersten Mal an richtig zu regnen. Das richtige Geräusch zum einschlafen. Am Morgen bin ich auxh das erste mal nach Sonnenaufgang munter geworden und sah draußen dicken Nebel. Ich war mir nicht sicher ob ich loslaufen sollte zumal es auch noch ein wenig gewitterte in der nähe doch ich hatte ja einen Pfad und somit konnte ich mich eigentlich nicht verlaufen. Da es eh ein wenig aufgezogen hat bin ich halb acht aufgebrochen. Sogar ein paar Sonnenflecken waren in der weitläufigen Landschaft zu sehen. Doch nicht lange. Ich hatte gerade noch rechtzeitig den pfad unter den Füßen als sich die Sicht auf fünf bis zehn meter reduzierte. Normalerweise hätte ich die ganze zeit eine herrliche Aussicht gehabt doch so musste ich sogar aufpassen den pfad nicht aus den Augen zu verlieren. Ohne den wäre es echt beschissen geworden. Es ist zwar möglich mit gps aber du hast absolut keine Orientierung ohne sicht. Nun ja, bin ich halt drei Stunden im Nebel rumgelatscht und habe gehofft dass ich nicht auf einmal dem Bullen von heute Nacht gegenüber stehe. Aber außer paar jungbullen ist mir niemand begegnet. Als ich dann auf den weg von Tilcara nach calilegua kam dauerte es keine zehn Minuten und mir kamen ein Rumäne und eine Französin entgegen. Sie wollten eine nacht irgendwo zelten und dann zurück nach tilcara. Es war nicht mehr weit bis tilcara doch ich wollte noch zu einer Lagune. Das hieß ein seitental hinauf und einen Zeltplatz suchen da es mittlerweile leicht graupelte und es immer dunkler wurde. Ein paar Gauchos suchten entlaufene Kühe und mit einem redete ich kurz. Hoffe dass ich daraufhin nicht wieder Besuch in der Nacht bekomme. Es regnete immer stärker und so verbrachte ich den nachmittag im Zelt. Das kleine rinnsal daneben ist schon stark angestiegen.  Ich hab derweil meine nächste Etappe geplant die wahrscheinlich von pumamarca nach leon führt. Der Wind schien zu drehen und so hab ich Hoffnung dass es morgen wieder mehr zu sehen gibt. Immer wieder zogen jedoch Gewitter vorbei und es hallte ein langes dumpfes grollen durch die Berge. Es wird wohl öfters regnen die nächste Zeit denn Januar und Februar ist hier regenzeit es sei denn el niño bringt alles durcheinander. Wir werden sehen. Am Abend jedenfalls war schon wieder blauer Himmel zu sehen und die an den Bergen klebenden wolkenfetzen gaben ein tolles Bild ab.
Tag 9
Fing fast so an wie der letzte doch um fünf Minuten hab ichs vor der sonne geschafft die sich heute auch mehr als genug zeigen sollte. Die drei Pferde die schon am abend auf der Wiese gegrast haben taten dies immer noch. Es war mal wieder arschkalt doch vom Regen war nicht mehr viel zu sehen. Ein paar Wolken machten den Himmel ansehnlicher und trotz Kälte hab ich auf die Jacke verzichtet da es zum munter werden gleich mal dreihundert meter hinauf ging. So war mir warm genug zumal es die sonne auch noch über die berge schaffte. Oben auf dem Sattel angekommen blickte ich auf schneeweiße berge. Dort wo ich vor fast drei Wochen lang gelaufen bin lag jetzt schnee. Nicht viel aber es sah toll aus im morgenlicht. Von nun an gings bergab und nach paar Metern bellten zwei verwilderte hunde. Doch als sie merkten dass ich nix von ihnen will legten sie sich ins gras. Das Tal war weit und der Weg bis zum abzweig zur Lagune zog sich. Für den Pullover wars inzwischen zu warm und schließlich erreichte ich den alten Handelsweg der mich zur Lagune und morgen nach tilcara bringen soll. Das Tal oder eher die hochebene war trotz regen recht trocken und die Lagune gefüllt mit einer milchig gelben Flüssigkeit. Oh mist dachte ich und lief am kaum auszumachenden ufer entlang. Die grünen grasflecken am ende der lagune schienen mir zu wenig als das da Wasser wäre. Wenn da nichts gewesen wäre hätte ich drei Kilometer zurück laufen müssen um Wasser zu haben. So ließ ich den Rucksack auf halber Strecke liegen und lief ohne weiter. Das Wasser in der Lagune wurde klarer was wohl bedeutete dass da irgendwo ein Zufluss ist. Und siehe da, mal wieder ein Bach direkt aus dem berg. Da hat sich jemand echt gefreut. Pures quellwasser nur leider zu kalt für ne dusche. Ja ich bin halt auch manchmal nen weichei. Platz fürs Zelt gab's auch. Und da es mal wieder gewittern wird vorsichtshalber etwas weg vom wasser. Die Lagune ist nahezu ausgetrocknet und nur ein paar vögel, Lamas und natürlich Kühe scheinen hierher zu kommen. In einer halben Stunde hatte ich sie umrundet und ehe ich zurück war zogen Wolken von beiden talseiten herauf. Von der einen zwei große Gewitterwolken und von der anderen nebel. Mal sehen was das wird heute dachte ich mir. Als mit einem Mal ein kalter Wind von osten hoch wehte fing das wenige Wasser im See an zu dampfen. Ich bin hier scheinbar direkt auf der wetterscheide und die Gewitter haben es schwer über die berge zu kommen. So hör ich nur das grollen. Mir graut vor morgen denn ich habe 2000m Abstieg vor mir und das auf zehn Kilometer luftlinie. Ich bin jetzt schon tot wenn ich daran denke. Nachdem es dann das erste Gewitter über den Berg geschafft hat und zum Glück über den nachbarpass gezogen ist hab ich nur noch gehofft dass nicht eins von dem Kaliber über mein Zelt zieht. Bis jetzt hatte ich immer Glück mit dem Wetter und nicht nur damit. Auch meine zweite Tour war echt ein Traum wenn man mal vom gestrigen nebeltag und dem nächtlichen besuch - über den ich mittlerweile lachen kann - absieht. Die Berge hier flößen einem wirklich Respekt ein doch sie sind auch unglaublich faszinierend. Vor allem wie schnell sich die Landschaft wandelt. Von einem Tal zum anderen ist sie komplett verschieden. Mein Gürtelende ist schon zehn Zentimeter länger geworden und ich denke mal dass ich mindestens fünf Kilo weniger durch die Berge schleppe wie am Anfang:) Am späten Nachmittag hats sich dann eingeregnet jedoch ohne weitere Gewitter. Also verpassten schlaf nachholen und ein wenig Karten studieren. Vielleicht kann ich ja auch im regen nach tilcara laufen oder rutschen.
Tag 10
Bis in die Nacht hats geregnet aber es gibt kein schöneres Geräusch zum schlafen. Am Morgen dagegen wars wie immer die letzten tage sehr kalt. Trotz musste ich beizeiten los denn unter 3000m wirds verdammt warm in der sonne und ich wollte pünktlich zum Steak in tilcara sein. Dort sitz ich jetzt auch. Mit heißen Füßen und ziemlich kaputt. Aber auch zufrieden dass ich so viel erlebt habe. Zwei lastenkarawanen kamen mir entgegen die auf dem weg zurück zu ihren estancias waren. Einmal im Monat laufen sie die Strecke denn sie laufen hinter ihren Tieren her und das im stattlichen alter von über sechzig. Aber es waren überraschend auch junge Leute dabei. Sie seien zufrieden mit ihrem leben und könnten sich nichts anderes vorstellen. Nachdem ich die 200m hinauf zum Pass geschafft hatte sah ich wieder die verschneiten gipfel und die in Wolken gehüllten Täler. Runter gings besser als gedacht da der weg sehr gut in Schuss war. Nur das letzte Stück war ätzend. Haufen Müll und nur loses Geröll. Doch ich habs mal wieder Geschäft und warte wie gesagt auf mein schnitzel.


Purmamarca - Termas de Reyes

Zwei Ruhetage sind vorbei und diesmal hab ich wirklich fast nichts gemacht. Einen Tag bin ich mit dem bus nach San Salvador gefahren und hab mir ordentlich Proviant besorgt da es hier in tilcara nicht wirklich trekkingfutter gibt. Damit war der halbe Tag rum. Es gab einige Steaks und heute hab ich nen Ausflug zu einem salzsee gemacht. Es war nicht wirklich beeindruckend, vor allem weil wir direkt zur salzfabrik gefahren sind, aber ich konnte mich mal wieder deutsch unterhalten da neben mir noch zwei Frauen aus Wiesbaden mitgekommen sind. Es war eine sehr entspannte Tour und nen Schnitzel gab's auch zum mittag. Unser guide hat mich dann auch noch an meinem hostel abgeliefert von dem aus ich morgen starte und dann hab ich mal wieder den Hauptgewinn gezogen. Auf meiner Karte war eine Tankstelle in purmamarca eingemalt doch die gibt's nicht. Also durch den Ort gelatscht und nach Benzin gefragt. Nach ner halben Stunde ohne Erfolg hatte ich die schn... voll und hab mir nen Taxi nach tilcara zur Tankstelle bestellt. Meine teuersten 0,3l benzin. Aber der Fahrer war gut drauf und wir haben uns echt gut unterhalten. Also kanns morgen losgehen natürlich nicht ohne noch ein Steak zu essen heute abend.
Tag 1
Das Steak welches mir der Taxifahrer empfohlen hat, hab ich mit einem italienischen Pärchen aus Mailand zusammen gegessen welches für drei Wochen auf Hochzeitsreise ist in Argentinien. War ein lustiger Abend und ich bin herzlich eingeladen nach mailand.
Nach nem vorverlegten Frühstück im hotel gings kurz nach halb acht wieder in die Berge. Das Stück Straße bis zum taleingang war schnell bewältigt und dann gings mal wieder ein trockenes flussbett hinauf. Zuerst recht gemächlich aber nach ner reichlichen Stunde stand ich an dem Pfad der mich über 600m auf drei Kilometer nach oben bringen sollte. Es war einer der Tage wo du da stehst nach oben guckst und dich fragst wie soll ich da jetzt hochkommen. Voller rucksack, reichlich Wasser, sonne und nach zwei Tagen nichts tun völlig aus dem tritt. Dazu war das tal komplett ausgedörrt und es war fast kein grün zu sehen. Ich habs ja so gewollt also nix wie hoch. Die ersten zweihundert Meter gingen ja noch obwohl es die steilsten waren aber danach als die sonne voll auf den Hang prasselte wurde es immer zäher. Bei einer kurzen Pause im Schatten einer der vielen Kakteen rauschte es plötzlich über mir und ein riesiger schwarz weißer kondor flog knapp über der Kaktee vorbei. Kurz darauf kam ein Weibchen hinzu und sie drehten Kreise vor meiner Nase als ob sie mich fragten: wieso fliegst du eigentlich nicht. Sie fliegen fast ohne Flügelschlag und gleiten einfach durch die luft bzw nutzen die aufwinde. Ich war so was von neidisch. Ich dagegen schleppte mich und meinen Rucksack nach oben. Meter für meter. Kaum zu glauben wie man nach zwei Tagen so aus dem Rhythmus kommt. Um so stolzer fühlte ich mich jedoch als ich endlich den saumpfad sah der mich zu einer alten schäferhütte führen sollte. Es war kurz vor zwölf und wie immer um diese zeit türmten sich die ersten Wolken am Himmel auf. Ein wenig Wind machte die letzten Meter einfacher und schließlich stand ich an der alten Hütte. Der Platz war nicht wirklich schön aber wenigstens lag kein Müll rum und die Aussicht war genial. Zum weiterlaufen war ich nicht mehr zu bewegen zumal das nächste Stück nochmal so steil wird wie das heutige. So hab ich mir erstmal paar Nudeln in der Hütte gekocht. Hab mal ne neue Sorte ausprobiert um nicht so viel Sprit mitnehmen zu müssen. Es ist kein gourmetessen aber es macht satt. Ich hoffe dass der kleine pfad bis hinauf zum Pass geht ansonsten wirds ne echte Herausforderung. Das Gelände sieht ziemlich felsig aus und vor allem steil. Überhaupt das ganze tal ist eigentlich mehr eine Schlucht. Total viele kolibris schwirren hier rum und heute unterwegs musste ich zweimal hinschauen. Erst dachte ich es sei eine riesige Libelle doch dann sah ich dass es ein kolibri mit einem bestimmt zehn Zentimeter langem und knallroten schwanz war. Mir graut ein wenig vor morgen doch am ende ist es gutes Training für den chañi.
Tag 2
Ein blauer Krebs begrüßte mich am morgen beim zähneputzen und meine Anwesenheit schien ihm ziemlich egal zu sein. Kurz vor sieben konnte ich mich überwinden zum Pass hinauf zu kraxeln. Alternative wäre um den Berg rum gewesen. Die Sonne war von Anfang an mein Begleiter da sich die Schlucht nach Osten hin öffnete. Die ersten hundert Meter waren grausam. Doch mit der zeit gings ganz gut. Die Höhe war gar nicht das Problem sondern eher der schwere rucksack. Es war zwar kein wirklicher pfad doch irgendwie sah das Gelände von unten schlimmer aus. Nicht mal Wasser musste ich schleppen da der kleine Bach von ziemlich weit oben kam. Trotzdem war es total steil und mehr als dreißig Schritte am Stück hab ich kaum geschafft. Zum Glück wehte ein frischer wind. Kurz nach neun stand ich oben auf dem pass und hatte in einiger Entfernung den chañi im Blickfeld. Es lag noch etwas schnee an seinen hängen. Das Tal auf dieser Seite des Passes war viel breiter und die hänge flacher. Doch auch hier schien es seit Ewigkeiten nicht geregnet zu haben. Ein paar vicuñas kreischten als sie mich sahen und machten sich in ihrem schaukelnden Galopp auf und davon. Ansonsten war es ziemlich trist. Ein paar kleine Quellen schufen kleine grüne oasen und es dauerte nicht lange und ich war die 600m die ich mich hoch geschleppt hatte wieder runter gelaufen. Eine größere estancia schien verlassen und so war ein Pferd die einzige abwechslung bevor es im nächsten tal wieder rauf ging. Doch nicht lange denn es war zwölf mittlerweile und einen Zeltplatz am Fluss hatte ich auch vor augen. Kurz zuvor sah ich noch zwei verlassene Kälber von denen eins so aussah als ob es bald Beute der kondore wird.  Wirklich schön ist die Landschaft nicht da völlig ausgedörrt und ich hoffe dass es morgen wieder etwas grüner wird. Nach ner weile kamen zwei Kühe und grasten die Wiese ringsum mein Zelt ab. Viel gab es ja nicht und da sie auch halb abgemagert waren nahm ich an dass es die Mütter der zwei Kälber waren. Es zog ziemlich schnell zu am frühen Nachmittag und so war ein wenig mittagsschlaf angesagt. Zumindest solange bis sich ein Bulle bemerkbar machte. Es war aber einer der friedlichen Sorte der nur mal kurz gebrüllt hat und dann den Kühen das Gras weg gefressen hat. Bei einem Spaziergang sah ich wie der erste kondor nach dem Kalb Ausschau gehalten hat. Er ist mehrmals tief drüber geflogen und schließlich gelandet. Ich hab versucht mich anzuschleichen aber keine chance. Der kondor flog davon und das kleine Kalb konnte kaum stehen während das andere es zum spielen animieren wollte. Es war ein kleiner Bulle und er brüllte schon wie ein großer. Jedenfalls müssen das die drei großen gehört haben denn sie kamen kurz darauf angerannt. Der kleine Bulle ist sofort an Mamas Euter. Die Mutter des anderen scheint keine Milch zu haben. Ich bin derweil zurück zum Zelt und hab noch nen Topf Müsli gefuttert denn schließlich geht's morgen wieder hinauf auf 4300m. Dann jedoch bleib ich paar Tage auf dieser Höhe bzw komm noch weiter rauf.
Tag 3
Es war relativ warm heute Nacht und so fiel mir das aufstehen nicht ganz so schwer heut morgen. Die dicken Wolken vom abend waren wie immer verschwunden. Nur paar cirrus Schleier verzierten den blauen Himmel. Laut Karte sollte es gemächlich bergan gehen und das immer am Fluss entlang. Nachdem ich an der recht großen aber grünen estancia etwas oberhalb von meinem Zeltplatz vorbei war verengte sich das tal zu einer Schlucht und ich blickte links und rechts auf steile Felswände. Doch es dauerte nicht lange und die Landschaft wandelte sich abermals in ein weites und überraschend grünes hochtal. Es sah fast aus wie in der Mongolei. Ein paar Kilometer vorm Pass musste ich links rauf auf einen Sattel. Ich überlegte ob ich noch ein Stück im tal laufe und dann am Hang zurück oder direkt aber steil hinauf. Nach den restlichen Keksen fühlte ich mich gut genug für die kurze variante. 250m gings hinauf erst über Gras und dann über ein großes blockfeld. Doch die Steine waren nicht zu groß und so bin ich ganz gut hoch gekommen. Oben dann ein herrliches 360 grad Panorama mit chañi im Süden und einer riesigen hochebene um mich herum. Hinunter ins nächste tal wars nicht weit und an der estancia die ich schon von oben sah begrüßten mich eine Horde Hunde auf die unfreundliche art. Die Bewohner schienen nicht interessiert an mir und so sah ich zu dass ich weiter kam. Generell finde ich die Leute sehr zurückhaltend und überhaupt nicht gastfreundlich. Das kannte ich von Chile anders. Es war nicht mehr weit bis zu meinem Zeltplatz den ich fast schon wie immer zum mittag erreichte. Mit weitem Blick in einem hochtal gelegen und Gras vorm Zelt. Nach nem großen Topf Müsli und nem kurzen nickerchen bin ich das kleine Stück aus dem Tal gelaufen und stand wieder auf einer weiten hochebene. Der chañi war wieder ein Stück näher und der Horizont war übersät mit dicken quellwolken. Allerdings schafften sie es nicht bis über die berge und so hatte ich den ganzen nachmittag sonne. Ich weiß noch nicht ob ich auf den chañi steige. Ist schon ein ganz schöner Knochen. Ich werd wohl auf einen nachbarberg klettern. Der cerro lozano ist 5500m und recht gut zu erreichen. Aber mal abwarten wie das Wetter wird. Kann ja nicht ewig so schön bleiben. Am Abend habens die Wolken dann doch geschafft und innerhalb von ner halben Stunde war nix mehr zu sehen vom himmel. Dazu wehte ein eiskalter wind sodass ich gerade noch so zum kochen gekommen bin. Trotzdem bin ich am abend noch mal raus denn es war eine tolle Stimmung durch die tiefen Wolken und die vereinzelten Sonnenstrahlen die es hindurch schafften. Es war eh einer der schönsten Tage weil abwechslungsreich und nicht gar so anstrengend.
Tag 4
Keine Fünf Sekunden lang war das Feuerwerk welches Punkt zwölf die berge hoch hallte. Ich fand es schon fast lustig. In diesem Sinne allen ein gutes neues jahr! Morgens dann Eis auf dem Zelt obwohl ich die Nacht als gar nicht so kalt empfunden habe. Irgendwie ist es mir jedoch schwer gefallen aus den federn zu kommen. Diesmal war der Himmel ziemlich bewölkt und es dauerte lange bis sich die sonne zeigte. Die Landschaft war ein traum. Weit, farbig,  jede Menge Eidechsen huschten durch die kleinen Sträucher und der Himmel zeigte sich in bayrischem blau weiß. Ohne wasserreserve bin ich los und das sollte fast in die Hose gehen denn an dem Fluß in dem eigentlich Wasser sein sollte war keins. Zum Glück war es nicht allzu steil und warm. Auf einem kaum als Pass zu erkennenden Übergang hatte ich dann einen traumhaften Blick auf das chañi massiv und hinab in ein endlos erscheinendes hochtal. Unzählige vikuñas grasten in der steppe und ich hatte einen zwei fuss breiten pfad gefunden der mir das laufen erleichterte. Viele kleine Quellen rannen aus dem hang doch ich hatte durch den kühlen wind noch genug Wasser. Kurz nach elf war ich im riesigen Kessel unterhalb des cerro alto lozano und fand einen kleinen Bach und ein Stück Wiese für mein zelt. Die Wolken kamen heute von Westen während aus Osten die Wolken aus dem Tal durch die Thermik nach oben geschoben wurden bis ich kurz nach halb drei schließlich immer öfter im Nebel stand. Auf der anderen Seite des talkessels wanderte ein Schäfer mit seiner Herde umher und als ich von einem Spaziergang zurück kam lief ein Wanderer in einiger Entfernung vorbei. Aber entweder er hat mich nicht gesehen oder war nicht an Konversation interessiert. Ein gecko oder so was posierte vor meiner Kamera und die vicuñas trauen sich immer näher an mich heran. Nachdem die letzten beiden Abende ziemlich bewölkt und neblig waren klarte es heute überraschend wieder auf. Wird wohl ne wetteränderung geben. Egal es war ein wunderbarer und ruhiger abend mit vielen roten Wolken. Doch so schön er war so kalt wird wohl die nacht. Der Schäfer auf der anderen Seite hat seine schafe im steingatter und mal sehen wer morgen eher aufsteht.
Tag 5
Der Tag begann wie der letzte aufgehört hatte. Mit einem roten Himmel. Noch dazu angenehm warm was allerdings hieß dass ich ziemlich schwitzen werde. Doch lieber schwitzen als so nen Schrecken wie in der Nacht. Urplötzlich von einer Sekunde auf die andere stürmte es. Dazu blitze und regen. Hinterm chañi massiv hing ein Gewitter zumindest konnte ich die dunklen Wolken erahnen. Zurzeit ist es nachts stockfinster da kein Mond. Zum Glück blieb es auf der andere Seite und nach zehn Minuten war alles wie vorher. Komischerweise sieht man sehr wenig Sterne was wohl an der diesigen Luft im Sommer liegt. Ich war eher munter wie der Schäfer der gerade sein Feuer anmachte als ich los lief. Jedenfalls qualmte es aus seiner kleinen Hütte. Zuerst bin ich durch den weiten Kessel und dann ein flaches tal hinauf über einen kleinen Pass. Dort lagen riesige teilweise kugelrunde granitbrocken in der Gegend rum. Manchmal sah es so aus als ob man sie nur anstoßen musste und sie rollen los. An einer uralten estancia die allerdings von den Schäfern noch genutzt zu werden scheint gab's nen happen zu futtern und dann nochmal lange bergan hinüber zum cerro chañi. Der Anstieg zog sich und die sonne zeigte keine gnade. Durch die dünne wolkenschicht hatte sie die doppelte Kraft und brannte förmlich von allen Seiten. Ich hatte mühe die 250m hoch zu kommen. Belohnt mit einem einmaligen Blick auf die senkrechten Felswände der fast sechstausender und einer geröllhalde von endlosem Ausmaß hielt ich inne. Ich stand bei 4300m und die Berge ragten nochmal 1500m in den blauweißen himmel. Ich lief ein Stück hinunter zu einer moräne und umrundete ihr Ende. So kam ich in ein grünes Flusstal und war abermals überrascht. Inmitten dieser Millionen Tonnen Schutt gab es eine Art almwiese. Auf meiner Karte war eine lagune zu sehen und zu meiner Überraschung war sie sogar voll. Und nicht nur das. Ich glaube ich habe den schönsten Platz auf meiner bisherigen Reise gefunden und einen der schönsten den ich kenne. Ein gewaltiger Talkessel lag vor mir. Eingerahmt von cerro chañi und alto lozano. In der Mitte vereinigten sich einige Bäche und links an der Seite die kleine blaue lagune. Dazu eine wahre Farbenpracht und ein traumhaftes Licht. Schon den ganzen tag hatte die sonne eine corona und meistens zwei runde Regenbogen um sich herum. In der anderen Richtung blickte ich durch das gewaltige tal auf einen bis zum Horizont reichenden wolkenteppich der sich langsam aber sicher nach oben bewegt. Als ich mich für ne weile hingelegt habe begann auf dem kleinen See ein höllentheater. Ihr glaubt gar nicht wie zickig Enten sein können. Ein Pärchen jagte alle anderen von einer Ecke in die andere. Und das unter wildem Geschnatter. An mittagsschlaf war jedenfalls nicht zu denken. Hab mich übrigens entschieden nicht auf einen der Berge zu klettern. Irgendwie fehlt die richtige Motivation und ich spar mir meine Kräfte lieber noch etwas auf. Es strengt ganz schön an auf dauer in dieser Höhe zu wandern. Außerdem ist das sichere Fenster um diese Jahreszeit recht kurz und aktuellen Wetterbericht hab ich auch nicht. Von daher ist es wohl die vernünftige entscheidung. Ich muss nicht auf nen berg nur um zu sagen ich war auf dem berg. Gegen vier haben es die Wolken aus dem Tal geschafft und ich saß mal wieder im Nebel. Doch nicht lange. Das Spiel wiederholt sich meistens einige male und wenn man Glück hat ist es am abend nahezu wolkenlos. Heute jedoch nicht und es gewittert auch mächtig hinterm chañi. Ich glaub heute komm ich nicht ungeschoren davon. Aber das glaube ich eigentlich jeden Tag. Irgendwann muss mein Glück jedoch aufgebraucht sein. Es ist schon ein etwas mulmiges Gefühl zu wissen dass da ein ziemlich Unwetter hinterm berg wütet und es jederzeit rüber kommen kann.
Tag 6
Es war wiedererwarten eine total ruhige Nacht. Doch als ich am morgen aufwachte blitzte es überall. Ich stieg im halbdunkel die kleine gletschermoräne welche den See anstaute hinauf und sah ein einmaliges Schauspiel. Eine riesige schwarze Wand spannte sich über den Horizont und im Sekundentakt blitzte es über die gesamte Breite. Ein leises grollen zog die Täler hinauf und ich wusste nicht so recht was ich davon halten sollte. Die Wand kam definitiv auf mich zu und das konnte nichts gutes heißen. Ich lief trotzdem los und nach ner knappen Stunde stand ich im Nebel ohne brauchbaren pfad, Gewitter in der nähe aber ein sicheres Plätzchen vor mir. Also Zelt wieder aufgebaut und abwarten was da kommt. Ne halbe Stunde später fing es an zu regnen. Aber richtig. Nach ner weile wurde das prasseln auf dem Zelt noch lauter und alles ringsum wurde weiß. Es graupelte. Das Gewitter hatte sich zum Glück verzogen und nach ner Stunde schien die Sonne wieder. Ich hab was ordentliches gegessen und gewartet bis alles trocken ist. Danach gings abwärts und nach ner erneuten Stunde hab ich mein Zelt wieder aufgebaut. Nicht weil es wieder regnete sondern weil mir der Platz so gefiel. Ein großes terrassenförmiges plateau mit fantastischem rundumblick. Dazu saftig grüne Wiese und nen kleines Bächlein vor der nase. Kaum zu glauben dass es vor ner reichlichen Stunde alles noch Waschküche war. So hab ich quasi nen Tag faulenzen eingelegt und den sonnigen aber nicht zu warmen nachmittag genossen. Bis dahin jedenfalls bis die nächsten Gewitter aufzogen. Das Wetter verstehe wer will hier. Morgens ne Kaltfront aus Osten und am nachmittag riesige schwarze Wolken aus Westen. Ich hoffe der chañi hält mir den Rücken frei. Eigentlich mag ich Gewitter aber so in den Bergen hier ist das ne andere nummer. Halb fünf fing es wieder an zu regnen doch das gröbste zog vorerst an mir vorbei. Drei mulas und ihr begleiter allerdings nicht. Wir unterhielten uns eine weile und mein Trauma von betrunkenen Bauern ist ein wenig gelindert. Hat mich damals schon einiges an vertrauen gekostet. Er brauch die mulas morgen um Sachen nach leon zu bringen. Ich hab ihm auch gesagt dass weiter oben ein lahmendes Pferd herum hinkt. Er war nicht begeistert aber trotzdem dankbar. Ich fragte ihn nach dem weg für morgen da ich nicht erst ins tal will und er meinte meine Variante oben rum ist okay. Es gibt zwar keinen Weg aber es ist möglich. Zwischenzeitlich zogen die abendlichen Wolken aus dem Tal herauf und ich musste im Nebel kochen. Aber es war wunderbar still - natürlich nachdem mein Kocher aus war und bis der zweite Bewohner der estancia mit seiner schafherde kam. Auch er war mir freundlich gesonnen und so werde ich hoffentlich wieder eine ruhige Nacht mitten in den Anden haben. Manchmal glaub ich es selbst nicht.
Tag 7
Es war die erhoffte ruhige Nacht und der morgen ließ mich mit einem Schauspiel aus Wolken Licht und wasser schnell munter werden. So hab ich glatt die zeit verdrödelt und bin erst halb acht los gekommen. Natürlich kamen gerade zu der zeit die Wolken aus dem Tal herauf und nahmen mir die sicht. Den pfad den ich gestern noch entdeckt hatte fand ich trotzdem und ich hoffte das er ungefähr in meine Richtung führte. Zum meinem Glück kam ich gleich im ersten tal an einen kleinen Fluss und konnte mein Wasser tauschen denn das auf der Wiese schmeckte scheußlich. Kurz darauf standen zwei mutterschafe auf dem weg und liefen mir in seelenruhe eine weile vorneweg. Bis es ihnen zu doof wurde und sie links in die pampa abbogen. Mein pfad endete an einem schafgatter und so war nun querfeldein angesagt. Inzwischen wurde die Sicht besser und eine wunderbare Stimmung umgab mich. Immer mehr bergumrisse waren zu erkennen und das Wasser in den Tälern reflektierte das saonnenlicht. Am laut Karte vorerst letzten fluss gab's paar müsliriegel und dann musste ich paar Meter hinauf auf ein riesiges plateau. Ich glaub alle vicuñas sahen mich gleichzeitig denn es begann ein übles Gekreische und überall rannten vicuñas auf und davon. Die Viecher sind so doof. Würden sie nicht kreischen und rumrennen du würdest sie kaum sehen so gut sind sie getarnt. Mittlerweile hatte es bayrischen Himmel und oft konnte ich im Schatten laufen. Kurz nach zehn hatte ich die Hälfte weg - luftlinie - und hatte das Glück das ein alter Bewässerungskanal zum pfad umfunktioniert wurde. Ich musste zwar einen ganz schönen Bogen laufen aber besser als über die losen Steine der Berghänge. Irgendwann führte er bergab und ich wollte nicht unnötig an Höhe verlieren. So entschied ich mich für querfeldein und stand nach knapp drei Stunden auf dem pass der mich weit nach Westen blicken ließ. Am Horizont schneebedeckte sechstausender und dazwischen eine Bergkette nach der anderen. Dazu ein herrlicher himmel und ein angenehmer wind. Ich musste nun nur noch um den Berg herum zu einem benachbarten Pass da dort Wasser war laut Karte. Nur der weg dorthin der keiner war kostete mich meine letzten reserven. Hätte ich bloß noch was gegessen. Frisches Geröll fast zwei Kilometer lang. So war ich erst kurz nach zwei im tal und durfte nun noch 100m wieder hoch laufen da der direkte Weg am Berg zu steil war. Noch dazu stürmte es von oben und ich fand ewig keinen Zeltplatz. Irgendwann stand dann mein Zelt an einem halbwegs geschützten Platz und mein Magen bekam so ne Art pferdefutter. Das Müsli kauf ich nicht nochmal. Ringsum türmten sich schwarze wolkenberge und ich war froh im Zelt zu liegen. 14 km luftlinie und davon die Hälfte querfeldein. Ich hatte echt genug für heute doch nachdem ich gestern mehr oder weniger faul gewesen bin musste ich heute Kilometer machen, da ich unbedingt noch den Blick nach Westen haben wollte. Ich hoffte nur dass ich noch im Schutz von chañi stand. Zumindest das erste Gewitter ist haarscharf vorbei gezogen. Die nächsten zwei tage muss ich übrigens insgesamt 2500m absteigen und dann hoffe ich flehend dass die ein zimmer in dem spa hotel für ne Woche frei haben. Das hab ich mir verdient und außerdem absolut nötig. Doch die ganzen strapazen sind an Abenden wie heute Vergangenheit. Ich habe schon viele Sonnenuntergänge gesehen aber dieser heute ist einer von denen die ich nicht vergessen werde. Eine riesige zerfranzte Wolke wurde von der Abendsonne angestrahlt. Die Farben waren unbeschreiblich. Dazu die unendliche weite, der Sturm, die Kälte, hans Zimmer... freut euch auf die Bilder
Tag 8
Es war der kälteste morgen bisher. Vor allem der Wind schien aus Patagonien zu kommen. Also Frühstück im Zelt und Jacke und Handschuhe rausgeholt. Zudem zog der Nebel wie ein Fluss über den Pass und löste sich im Westen ins Nichts auf. Die berge dort erstrahlen bereits im Sonnenlicht während ich im Nebel in die andere richtung lief. Doch zum Glück löste der sich bald auf und ich konnte alles überflüssige ausziehen. Sogar der chañi zeigte sich nochmal kurz bevor er wieder in den Wolken verschwand. Ich stieg oder eigentlich lief hinab ins flussbett des Rio reyes vorbei an einer unbewohnten estancia. Das Flussbett war breit doch es dauerte nicht lange und ich durfte ein wenig klettern. Irgendwann ging laut Karte ein pfad links hinauf und ich fand ihn eigentlich nur durch mein GPS. Es war eher eine Spur als ein pfad und das auch nur bis zu der alten schäferhütte etwas bergauf. Danach musste ich mir den Weg selbst suchen. Ich wusste nur um welche bergkuppe und in welcher Höhe ich um diese musste in der Hoffnung dort auf den pfad zu treffen. Einige wasserrinnen in dem steilen hang kosteten mich einige höhenmeter Umweg und meinen Pullover hab ich auch wieder rausgeholt als ich oben war. Auf der gegenüberliegenden talseite blickte ich auf eine riesige Schlucht die sich von den Wolken bis zum Rio reyes erstreckte. Zum Glück hatte ich nun einen richtigen pfad und lief über eine Stunde am Hang entlang. 600m gings rechts hinab und 1000m links bergauf. Dazu zogen tiefe Wolken durchaus tal und es sah so aus als obs gleich regnet. Schließlich hatte ich das seitental vor mir in dem ich zelten wollte doch der pfad verlor sich im hohen gras. Überhaupt waren die berge mit einmal grün und dazu echt beeindruckend. Ich lief nach gps doch irgendwie konnte die Karte nicht stimmen. Es wurde immer steiler und das Gelände war kaum noch gehbar. Ich hielt auf ein altes schafgatter zu wo der pfad enden sollte. Doch nach einigen rutschpartien musste ich dort feststellen: kein pfad und vor allem 20m senkrechte kanten zum flussbett. Scheiße dachte ich. Ich muss da irgendwie runter denn mein pfad verlief nun auf der anderen Seite. Ich lief ein kleines Stück ein seitental hinauf wo ich eine Stelle fand an der es vielleicht möglich war runter zu kommen. Ich schreib euch nur dass ich runter gekommen bin. Von oben sah ich eine Stelle auf der anderen seite an der ein pfad in Serpentinen aus dem flussbett führte. Bis dorthin lief ich und fand zum Glück auch einen Zeltplatz. Ich hatte Knast war ziemlich kaputt. Ich war mir nicht sicher ob es gut ist in dem engen tal zu zelten doch ich hatte ja den pfad der mich im Notfall nach oben bringt. So gab es nach dem essen auch gleich den ersten schauer. Also hinein ins Zelt und hoffen dass es nicht zu viel wird. Doch nach ner Stunde wars vorbei und ich hab mir ne dusche gegönnt im kalten bergwasser. Die Schlucht ist voller Blumen und die Berge ragen 2000m in die Höhe. Ist schon ein fast beängstigendes und beklemmendes  Gefühl nach den Tagen in der Weite. Morgen muss ich auf alle fälle noch meine Hose schrubben sonst lassen die mich auf keinen Fall im hotel übernachten. Hoffe echt die sind nicht ausgebucht. Sauna, massage, heiße quellen und gutes Essen. Und das eine Woche lang. Aber irgendwie hab ich das Gefühl das es nicht klappt. Doch noch sinds ja 14km luftlinie und 1500 höhenmeter.
Von der Hölle ins Paradies
Es war eine echt beschissene Nacht und ich hab mich eigentlich nur über mich selbst geärgert. Es fing an mit regnen gegen sieben. Zuvor war ich noch ein wenig unterwegs und habe einen Zeltplatz weiter oben gesehen allerdings ohne wasser. Und ich war zu faul das zelt wieder abzubauen. Die Folge war eine schlaflose verregnte nacht. Die These mit dem Pfad der mich nach oben bringt hinkte. Es war stockfinster und ich hab null gesehen. Doch es regnete gewitterte die ganze nacht. Ich hab kein Auge zu gemacht und alle halbe Stunde mit der handytaschenlampe nach dem fluss geschaut. Er war drei Meter vom Zelt entfernt und durfte maximal einen Meter steigen. Ich hörte einzelne Steine von den kieswänden herunterfallen und hatte echt schiss. Immer wieder näherten sich Gewitter. Der Fluss stieg aber nicht so dass er mir gefährlich wurde. Ich hatte trotzdem schiss einzuchlafen und so hielt ich mich munter. Es regnete bis gegen drei. Danach hab ich doch noch die Augen zu gemacht. Gegen sechs als es hell wurde sah ich den milchgrauen fluss mit etwa doppelt soviel Wasser wie gestern. Ich war echt froh da die nacht vorbei war und glaubte an ein Wunder als sich die Wolken beim zusammenpacken auflösten. Um sieben brach ich auf und durfte einen Pfad erleben den ich nie vergessen werde. Kaum los gelaufen zog wieder Nebel auf und ich wusste nicht ob das gut oder schlecht war. Rechts ging es teilweise senkrecht in die Tiefe und ich sah nur hinunter ins Schwarze. Zum Glück war der pfad bis auf einige ausnahmen gut zu erkennen. Doch es ging hoch und runter. Als ich schließlich auf einen Vorsprung kam lichtete sich der Himmel abermals und ich sah die ganze Schönheit der Szenerie die ich vorher nur erahnen konnte. Tief unten der oder die Flüsse. Unzählige Schluchten kamen von allen seiten. Die hänge bis zu 1500m hoch. Grün. Überall. Es rauschte von allen Seiten und ich lief und lief. Es gibt  estancias und dann gibt es estancias. Auf einem kleinen Plateau in mitten dieser unzugänglichen bergwelt sah ich einen traum? von estancia. Kleine grüne von steinmauern eingefasste Felder drei kleine Häuschen mit strohdächern und eine Herde ziegen. Da komm ich echt ins grübeln obwohl ich glaube weiß wie hart so ein leben sein kann. Immer noch gings hoch und runter doch die Spaghetti vom abend reichten noch. Ich kam zum nächsten fluss und von oben sah es so aus als ob ich nicht durchkomme. Braune rauschende fluten. Schon von oben sah ich eine schmale stelle und nachdem ich die Serpentinen bis runter gelaufen bin reichte ein Satz mit den Stöcken und ich war drüber. Das Tal war völlig verwüstet von einem Hochwasser und nun durfte ich mich so wie ich gestern runter heute die steilen kieswände hoch klettern. Wieder gings hinauf. Fast vier Stunden lief ich jetzt ohne unterbrechung. Es war Zeit für müsliriegel. Danach hatte ich bald die letzte steigung hinter mir und es ging hinunter. Der Nebel hatte schon lange alles wieder im griff und so stand ich urplötzlich im wald. Völlig unerwartet. Der Boden wurde rutschig und der pfad schlängelte sich in unzähligen Serpentinen nach unten. Ich rechnete jederzeit mit einer Vogelspinne doch die blieb mir erspart. Ich würde wohl mehr Tage im Dschungel verbringen aber das mit den spinnen kriege ich einfach nicht in den griff. Schade eigentlich denn es war wunderschön. Jetzt vor allem durch den Nebel. Irgendwann hörte ich paar schafe und kurz darauf Hunde große hunde. Die drei kamen auf mich zu und posten ganz schön rum. Einer wedelte jedoch mit dem schwanz und so konnte ich die anderen beiden auch überzeugen dass ich ihnen nichts böses will. Die zwei Bewohner der estancia schlachteten gerade ein Schaf und ich fragte sie nach dem weg.  Sie schauten ziemlich erstaunt und noch erstaunter als ich sagte woher ich komme. Immer noch gings bergab und dann stand ich vor einer Hängebrücke. Oh scheeiisse dachte ich. Bestimmt dreißig Meter überm fluss und fünfzig meter lang. Keine seitlichen abspannungen. Vielleicht fünfzehn meter bin ich drauf dann sah sah ich dankend einen Pfad nach unten. Also umgedreht der schisser und über steine durch den fluss. Von jetzt an warens noch acht Kilometer luftlinie. Ein pfad folgte zum Glück auf einer Höhe dem hang bis es abermals steil nach unten zu einer estancia ging. Natur begrüßten mich Hunde mal wieder auf die unfreundliche art sodass ich mich in Flussnähe hielt und auch einen Pfad im Flussbett fand. Das ging ganz gut bis der schließlich die Seite wechselte. Der Fluss hatte hier mehr Wasser da oben welches über ein Wasserkraftwerk umgeleitet wurde. Somit wurden meine Schuhe und Socken doch noch nass. Das ganze vollzog sich dreimal bis ich endlich am hotel war. Ich zur Rezeption und ja sie haben ein zimmer. Nun musste nur noch die Karte gehen und sie tat es nach einem Fehlversuch. Also eingecheckt für eine Woche ein bife chorizo verdrückt, ab ins heiße Wasser und danach ne Massage. Kaum zu glauben, wie sich die Welt innerhalb von 30km ändert. Ich lass es mir also gut gehen die nächsten tage.

Termas de Reyes

Es war eine wunderbar entspannte Woche hier in termas de reyes und ich kann mich nicht erinnern wann ich mal so gedankenlos war. Nicht dass ich in den Bergen nicht auch entspannte Momente hätte doch sind diese wohl eher eine Herausforderung. Die einzige Herausforderung hier im hotel ist es keinen Sonnenbrand am Pool zu bekommen. Ist mir leider nicht ganz gelungen da ich die Kraft der Sonne im Schatten ein wenig unterschätzt habe. Mein tagesablauf ist eigentlich mit wenigen Worten beschrieben. Frühstück pool zweites Frühstück Pool Mittagessen nickerchen Pool frischgepresster Orangensaft Sauna Abendessen schlafen. Das alles sechs Tage lang mit einer Ausnahme da ich nochmal an einem bzw dem gleichen salzsee war. Dabei habe ich fernanda aus Buenos Aires kennengelernt und so hatte ich einige tage Gesellschaft beim dinner. Sie hat mir ne menge über Argentinien erzählt. Gefühlt habe ich nen halben Bullen verdrückt 50l frischen Orangensaft getrunken und einen kompletten garten Salat gegessen. Das Essen war echt spitze. Das hotel selbst ist etwas in die Jahre gekommen was der Atmosphäre aber nur gut tut. Vor allem das rundherum ist wunderschön. Die Berge sind mit jedem Tag regen grüner geworden. Das Personal ist zu jeder Zeit zu einem kleinen schwätzchen bereit. Einer der Kellner hat mir sogar eine Badehose mitgebracht. Nein ich muss hier echt weg sonst gewöhn ich mich noch dran. Morgen geht's nach salta Proviant besorgen und am Donnerstag mit dem bus Richtung San Antonio de los cobres. Etwa 30km vorher beginnt meine nächste und bisher längste etappe. 110km luftlinie bis cachi sind es. Also wartet nicht auf nachricht es wird wohl knappe zwei Wochen dauern. Ich hoffe nur dass ich noch halbwegs vorwärts komme nach der mästerei.

Purta Tastil - Cachi


Tag 1
Meine freien Tage sind vorbei und die bisher längste Tour steht mir bevor. An dem Tag an dem ich von termas de reyes nach salta gefahren bin hat es geschüttet ohne ende und sogar einige Straßen waren überflutet. In salta selbst hab ich Heinz und Monika kennengelernt. Sie betreiben das kleine hostal el relax in dem ich mich einquartiert hatte und haben sich damit ihren Traum vom auswandern erfüllt auch wenn es ziemlich nerven und zeit gekostet hat bis sie die bürokratischen Hürden genommen haben. Das dumme für mich war nur,  dass mein Bus nicht wie im Internet gelesen früh um sieben sondern erst nachmittags um drei fuhr.
So hatte ich ungewollt noch einen tag in salta zu verbringen. Genug zeit um mich rasieren zu lassen - mit einem stumpfen rasierer - ein wenig durch die Altstadt zu laufen, Postkarten zu schreiben und mit Heinz und Monika Spaghetti zu essen. Zur einstimmung auf die berge. Leider muckert mein Magen etwas und ich hoffe dass ich einfach nur zu viel gegessen habe die letzte Woche. Mein bus fuhr pünktlich um drei und nach dem regen gestern war es heute wieder sonnig und warm. So war ich ganz froh dass es hinauf in die Berge ging dort ist es doch noch etwas angenehmer. Vor allem nicht so schwül. Kurz vor fünf sagte ich stopp zum busfahrer und blickte in ein weites tal dass von wunderschönen felsformationen umgeben war. Da ich etwas bedenken hatte gleich auf knapp 4000m zu fahren hab ich meinen Plan geändert und starte in Puerta Tastil. Das hieß allerdings 1000m mehr hoch klettern. Mit Wasser sah es schlecht aus doch daran war ich mittlerweile gewöhnt. Ich lief der Abendsonne entgegen durch Unmengen von cardones bis ich schließlich Wasser fand. Die Straße war einige Kilometer entfernt und in dem großen flussbett fand ich schnell einen platz für mein zelt. Ich war ein wenig aus der Übung und so hat es länger wie sonst gedauert aber für einen kleinen Abendspaziergang war trotzdem noch zeit. Die Höhe passt auch mit 2800m um mich wieder langsam dran zu gewöhnen und morgen geht's dann gleich in die vollen mit 1000m Anstieg. Hoffe nur dass mein Magen keine Problem macht.
Tag 2
Irgendwie war es ein komischer tag. Schon früh stand ich total
neben mir. Ich hatte keinen Hunger und fühlte mich total kraftlos. So brauchte ich auch eine weile bis ich halbwegs vorwärts kam. Die Landschaft war ähnlich wie in purmamarca völlig ausgetrocknet und nicht wirklich sehenswert. So beschränkte sich der tag aufs laufen. An der ersten estancia sah ich einen mann desweges kommen doch als ich das Haus passierte begrüßte mich lediglich ein rudel Hunde auf die übliche art. Aus dem Haus qualmte es doch es ließ sich niemand blicken. Wie gesagt die Leute in den Bergen sind sehr speziell und so hielt ich mir nur die Hunde vom Leib und lief weiter. Es war zum Glück nicht allzu warm und der Weg nicht allzu steil. Trotzdem hatte ich einige male Probleme mit kleinen Wasserfällen im Flussbett. Kurz nach zwölf sah ich eine große grüne Wiese. Sie war zwar eingezäunt doch da es nach regen aussah und ich mich nicht wirklich gut fühlte stellte ich mein Zelt an den kleinen Bach. Immerhin hatte ich 800m geschafft und so blieben mir morgen nochmal soviel um über den Pass zu kommen. Es dauerte auch nicht lange und es fing an zu regnen. So hatte ich reichlich zeit mich wieder an die Höhe zu gewöhnen. Immerhin war ich schon bei reichlich 3600m. Irgendwas muss ich mir in salta eingefangen haben. Gegen Abend bekam ich leichtes Fieber und mein Magen machte Geräusche ohne ende. Kann nur hoffen dass es nicht schlimmer wird.
Tag 3
Ich fühlte mich nicht wirklich besser und ich war nahe dran einen tag Pause einzulegen doch ich hatte nicht wirklich Zeit dazu. Ich wollte wenigstens ein Stück voran kommen und so packte ich meinen Kram zusammen. Schon vor dem ersten abzweig kam mir ein Bauer mit seinen geschätzt zehn Hunden entgegen. Er grüßte freundlich und fragte mich ob ich die Nacht durchgelaufen bin. Nein ich habe unten auf der Wiese gezeltet antwortete ich. Er hatte offenbar nichts dagegen und zeigte mir sogar den kürzesten weg zum pass. Da dieser aber laut meiner Karte recht steil war lief ich so wie ich es vor hatte. Die Landschaft wurde langsam grüner doch ich kam nicht in schwung. Nach dreihundert höhenmetern und reichlich einer Stunde hab ich mich entschieden abzubrechen und mich auszuruhen. Ist echt schade, da war ich eine Woche in nem tollen hotel um mich zu erholen und dann das. Ich bin total platt.  Wenigstens der Zeltplatz war schön und bot ne tolle Aussicht. Kurz nach mittag kam nen mächtiges Gewitter und es hagelte sogar. Allerdings hatte es sich auch schnell wieder verzogen. Ich weiß nicht so recht was ich machen soll. Weiter oder morgen runter zur Straße. Spaß macht es so keinen.
Tag 4
Der Horizont war rot am morgen und mir ging es zumindest nicht schlechter. Mein säurespiegel ist wohl etwas aus dem Gleichgewicht geraten. Jedenfalls brennt die ganze Speiseröhre vom Sodbrennen. Hauptsache es kommt nix in die Lunge von dem zeugs. Also erstmal kräftig Wasser getrunken und ne halbe Packung kekse zum Frühstück. Danach gings los. Ich hab mich für den langen Weg entschieden weil nicht so steil und die besseren ausblicke. Komischerweise spürte ich die Höhe kaum und auch mein Magen schien sich langsam zu beruhigen. In den Tälern hingen die Wolken und am Horizont im osten hob sich der schneeweiße chañi von der Silhouette ab. Drei Stunden hab ich gebraucht für die restlichen 500m bis zum Pass. Dort blickte ich in ein tiefes tal welches auf der anderen Seite von einigen fast sechstausendern begrenzt wurde. Deren gipfel waren jedoch von Wolken umhüllt sodass ich die Höhe nur erahnen konnte. Auf halbem weg ins tal kam mir ein einheimischer entgegen. Der ältere mann schien fast glücklich jemanden zu treffen und ob ihr es glaubt oder nicht er war auf dem weg zum Arzt weil er Probleme mit der Prostata hat. Er lebte in einer der estancias im tal und er machte den Eindruck als ob es das normalste auf der Welt ist dass er mal eben 20km läuft um dann mit dem bus nach salta zum Arzt zu fahren. Also fragt man sich doch worüber die Leute in d eigentlich die ganze zeit jammern. Ich fragte ihn ob er Hilfe brauch doch er winkte nur ab. So fragte ich ihn nach dem weg und er bestätigte mir das was in meiner Karte stand. Danach wünschten wir uns gegenseitig alles gute und gingen unserer wege. Der Weg war steil und größtenteils loses Geröll. Keine Ahnung wieviel Serpentinen es waren aber ich war froh als ich unten war. 1300m musste ich hinunter und fand einen Fluss vor der reichlich Wasser führte. So suchte ich mir ein Stück nach der zweiten estancia, dessen Bewohner mich zwar gesehen sich aber trotzdem verkrümelt hat, einen Zeltplatz und war erstmal ausgiebig duschen. Durch das viele Wasser im tal gibt es viele kleine Felder und es ist herrlich grün. Fast pünktlich um eins gab es den ersten schauer und ich nutzte den restlichen tag um meinen magen noch etwas zu schonen. Ich hoffe nur dass mir die zeit hinten hinaus nicht ausgeht bzw der proviant. Doch ich habe ein paar Möglichkeiten meinen trip im Notfall zu verkürzen von daher lass ich es einfach rankommen. Mal sehen ob sich die letzten tage gelohnt haben und die Landschaft die nun kommt und wegen der ich diese Tour eigentlich mache wirklich so spektakulär ist wie es die satellitenbilder vermuten lassen. Eins steht schon fest der volle fluss garantiert mir nasse schuhe denn er schlängelt sich durch das tal von einer Seite zur anderen. Wenn alles klappt jedoch nur an einem tag.
Tag 5
Ich hatte super geschlafen was wohl an dem rauschen des Flusses und dem regen gelegen hat. Kurz vorm aufstehen fielen die letzten tropfen bevor sich die Wolken rot färbten. Es war ziemlich ungewiss wie der tag ausgeht denn ich hatte keine Ahnung ob ich den pfad finden würde. Zwar hatte mir der Bauer gesagt das es ihn gibt aber in meiner Karte war er nur stückchenweise eingemalt. Trotz regen war der fluss nicht breiter und so blieben meine Socken trocken als ich zurück auf den weg bin am morgen. Zuerst ging es hinauf auf einen kleinen Pass da die Schlucht talwärts nach der letzten estancia ein Stück nicht begehbar ist. So musste ich sie über die berge umgehen. Ich folgte einem kleinen pfad der in meine Richtung führte während es wieder leicht anfing zu regnen. Oben angekommen gings querfeldein am Hang entlang bis ich den Kamm erreichte der mich laut karte nach unten bringen sollte. Das Gelände sah jedoch nicht gerade einfach aus. Links zum Fluss war es so steil dass ich nicht mal das Wasser sah. Zwar gab es einen kleinen pfad auf dem kamm doch der schien so gut wie kaum genutzt und konnte genauso gut von den vicuñas sein. Allzu viel pferdeäpfel lagen zumindest nicht herum. Irgendwann musste ich mich dann entscheiden. Links oder rechts runter und mein Instinkt lag mit rechts genau richtig. Ich kam in ein kleines bachbett und an einem kleinen Wasserfall gab es eine Umgehung. Von da an wusste ich ich komme bis runter. Du musst nur die Augen aufhalten wenn irgendwo ein pfad weggeht ansonsten läufst du alles zurück wenn der nächste Wasserfall kommt. Früh hatte ich geschätzt gegen elf müsste ich da sein und genau elf stand ich in dem riesigen Flussbett welches mich weiter talwärts bringen sollte. Mal wieder kam ein Gefühl von wildnis auf denn das tal war noch so gut wie unberührt da es für die Landwirtschaft nicht taugt. Die hänge waren steil und bunt und ragten mehr als tausend meter in die Höhe. Noch war das tal breit aber morgen werde ich einige engstellen passieren und hoffen dass ich überall durch komme. Doch da der pfad von hier hinauf geht sollte es kein Problem sein denn wozu sonst der pfad hier. Der Fluss bzw die beiden Flüsse die hier zu einem werden sind diesmal groß genug zum baden und das hab ich natürlich sofort ausgenutzt. Viel grün und ein paar Bäume gibt's auch. So hat es schon fast was von Paradies das Plätzchen. Ohne Schatten wäre es jedoch ziemlich ungemütlich geworden denn es ist mal wieder richtig warm und die Wolken sind nach dem Mittag komplett verschwunden. Nur abundzu ein Lüftchen und ein Bad im fluss sorgt für Abkühlung. Doch die ein oder andere Erkundungstour war drin. Regnen darf es jedoch nicht allzu sehr, sonst sitz ich hier fest wenn der fluss anschwillt. Und bei Regen in die schlucht wäre wohl ziemlich fahrlässig. Doch danach sieht es bis jetzt nicht aus. Es gab sogar seit langem mal keine gewitter.
Tag 6
Keine Wolke am Himmel dafür jede Menge Fledermäuse in der Luft und schon am morgen 20 grad. Hundert prozentig sicher war ich mir nicht ob ich durch die Schlucht komme doch alternative hatte ich nicht wirklich. Also bin ich um sieben talwärts gestartet. Bei den ersten beiden flussquerungen sind meine Füße noch trocken geblieben doch danach hab ich es aufgegeben. Das Tal wurde enger und es wird einem schon etwas mulmig wenn neben einem eine Felswand 1000m senkrecht in die Höhe schießt während man selbst im Fluß watet. Durch das relativ warme Wasser sind die Steine voller Algen und wie Eis wenn man drauf tritt. Zum Glück hab ich meine Stöcke sonst hätte ich wohl mehr wie nasse Füße. Glücklicherweise bin ich dieses jahr noch nicht einmal gestürzt bis auf meine rucksackaktion. Viel mehr Wasser hätte im Fluß nicht sein dürfen denn an einigen Stellen war die Strömung ziemlich stark. Doch ich bin super durchgekommen. Als ich die schmalsten stellen hinter mir hatte schaffte es die sonne bis ins tal. Weiter unten kam ich an drei verlassenen estancias vorbei und die Berge wurden immer bunter. Eigentlich wollte ich an der zweiten zelten und morgen über einen kleinen Sattel etwas abkürzen doch so recht gefiel es mir dort nicht. Zum Glück denn als ich in die quebrada jumial einbog und nach einer kurzen Schlucht in ein Meer aus Farben und Formen blickte war ich hin und weg. Ich hab selten so was faszinierendes gesehen. Vom wasser ausgewaschene felsen. Dazu die verschiedensten gesteinsschichten wild durcheinander. Manche felsen sehen aus wie hundert Meter hohe kleckerburgen. Schäfchenwolken am blauen Himmel  in der Mitte ein roter bach reichlich grün im flussbett und dazu ein angenehmer wind. Ja die letzten tage haben sich gelohnt. Zwar gab es kein schattiges Plätzchen dafür Wiese und reichlich wind der die fliegen verscheucht und etwas Abkühlung bringt. Später wurde daraus sogar sturm wodurch meine klitschnassen Schuhe wieder völlig trocken sind. Man muss auch mal Glück haben. Das Wasser im fluss wurde am nachmittag immer weniger und ich hoffe dass es weiter oben genug gibt und vor allem nicht nur so ne rote brühe.
Tag 7
Wieder erwartete mich ein wolkenloser himmel am morgen und so viel es mir nicht schwer aus den federn zu kommen. Um so eher umso besser. Nochmal vorbei an den kleckerburgen gings kaum spürbar bergan in dem breiten flussbett. An einer wunderschön gelegenen estancia meldeten mich zwei Hunde doch ich war zu weit weg als dass sie sich bequemten mir Hallo zu sagen. Von den Bewohnern sah ich auch niemanden und so lief ich weiter. Die Sonne stieg immer höher und gab den Bergen ihre bunten Farben von gestern zurück. Die Landschaft war einfach nur spektakulär. Hinter jeder flussbiegung neue Formen und Farben und am Horizont ein fünftausender. Riesige dünne kegel, hunderte Meter hoch säumten die Berghänge. Allein vom Regen geschaffen. Rot blau weiß gelb grün orange schwarz. Wahrscheinlich haben die berge noch viel mehr farben. Aber mehr fallen mir jetzt nicht ein. Ungefähr nach der Hälfte zweigte mein tal ab und glücklicherweise kam auch der fluss von dort. Zwar noch rot doch ab und an kam auch klares Wasser aus dem kies. Das Tal wurde enger und am Horizont blickte ich auf eine nahezu senkrechte Felswand die ich irgendwie und irgendwo hoch will. Laut Karte gibt es einen kamm der bis hinauf führt doch den konnte ich noch nicht entdecken. Immer steiler wurden die felsen rechts und links und bis auf den fluss war alles trocken. Kakteen und einige Büsche waren alles was hier überlebte. Doch oft sah ich auch paar Blümchen. Es wurde wärmer und wärmer und als ich am ende in einem Talkessel stand fand ich keinen Zeltplatz der mir gefiel. Zwar sah es so aus als dass ich irgendwie auf den Kamm kommen würde doch ich lief zurück und fand nur paar Meter abwärts ein kleines plateau mit akzeptabler Aussicht und wiese. Ein paar Esel konnten es scheinbar nicht fassen dass ich mein Zelt aufbaute doch da mussten sie durch. Ich kochte mir paar Spaghetti und dann bin ich trotz hitze zu einem canyon gelaufen und bin ihn bis zu seinem Ende hinauf gelaufen. Ein ein Meter breiter Eingang war der Zugang zum letzten Stück welches noch zehn meter ungefähr in den Fels bis zu einem trockenen Wasserfall hinein reichte. Nach oben sah ich nichts so schmal war er. Schade dass kein Wasser drin war sonst hätte ich ne dusche nehmen können. Nach zwei Stunden war ich zurück am Zelt und hab sie im Bach nachgeholt. Überraschenderweise hat er noch richtig viel Wasser obwohl es nur noch zweihundert Meter rauf geht. Doch es muss geregnet haben die letzten tage. Am Nachmittag kam ein gaucho vorbei auf seinem Pferd und mit seinem Hund natürlich. Leider nahm er mir etwas den Mut für morgen da er meinte es ist unmöglich hier hoch zu kommen. Meine Hoffnung ist dass die argentinier denken wo es mit Pferd nicht geht geht's auch zu Fuß nicht. Ich hab ihm gesagt dass ich um elf bei ihm bin wenn ich es nicht schaffe. Da mir das ganze keine ruhe ließ bin ich noch hinauf geklettert am abend und hab mir angesehen ob's geht. Leider sieht es so aus als ob der gaucho recht hat. Zwar gibt es eine Schneise wo es gehen müsste doch das ist es mir nicht wert da sie ziemlich steil ist. Der kamm selbst hat einen Absatz. Keine chance.  Da geh ich lieber auf Nummer sicher und laufe die drei Kilometer zurück und nehme den pfad über die berge. Wird also ein langer tag morgen und wohl genauso warm wie heute meinte der gaucho. Doch gelohnt hat sich der Umweg allemal. Hätte ich absolut was verpasst zumal es auch noch einen herrlichen Sonnenuntergang gab. Nur den proviant muss ich ein wenig rationieren. Aber zur Not komm ich noch acht Tage hin. Sechs sollte ich noch brauchen.
Tag 8
Der dritte morgen in Folge ohne Wolke am Himmel. Somit war klar ich werde ziemlich schwitzen. Nachdem ich bis in die Nacht die satellitenbilder studiert  und eine Möglichkeit gefunden habe wie ich mir den Umweg ersparen kann war ich entschlossen es zu versuchen. Zwar musste ich trotzdem ein Stück talwärts aber nur reichlich einen kilometer. Dort bin ich in einen anderen canyon hinein und bis zu dem Punkt gelaufen wo ich hoch wollte. Die felsen sind so bizarr dass du dir vorkommst wie auf dem mars. Ich war froh zu sehen dass ich zumindest aus dem canyon kam und dem kamm oder eigentlich war es fast schon ein grat folgen konnte. Es war steil und der Boden hatte die konsistenz von nicht völlig ausgehärtetem Beton. Nur die ersten meter war mir Schatten vergönnt bevor ich in der sonne schmorte. Hinter jeder Kuppe hatte ich Angst nicht weiter zu kommen. Abundzu war es auch grenzwertig. Nicht das hochklettern selbst sondern die Tatsache eventuell wieder runter zu müssen. Die canyons links und rechts wurden immer tiefer und es war schwer konzentriert zu bleiben. Einmal wegen der hitze und zweitens wegen der im wahrsten Sinne atemberaubenden Landschaft. Unglaublich wie so etwas entstehen kann. Irgendwann tauchte dann der teilweise vergletscherte cachi am Horizont auf und die Kulisse war perfekt. Insgesamt 400m musste ich hinauf bis es allmählich flacher wurde und absehbar dass ich nicht zurück muss. Ich gebe zu dass ich ein klein wenig stolz war. Allerdings ohne die heutige Technik wäre es sehr viel schwerer wenn nicht sogar unmöglich gewesen. Trotzdem war ich fix und fertig von der Wärme als ich auf dem Pfad stand der zu den estancias in der Gegend führte und zu meinem Glück fand ich sogar Wasser etwas abseits. Nicht viel aber mit einem kleinen Damm schaffte ich Abhilfe. Dazu gab's einen riesigen Balkon mit herrlichem Blick über die gegend. Es war zwar erst nach zehn doch so blieb mir genug zeit um die gegend zu erkunden. Das Essen wird schon reichen. Inzwischen geht's mir auch wieder gut und ich bin erstaunt wie ich die berge hochkomme. Zum Glück wehte ein halbwegs frischer wind wie fast jeden nachmittag und so war die Wärme etwas erträglicher. Über den sechstausendern des cachi massives bildeten sich riesige quellwolken von bestimmt drei vier Kilometern Höhe. Echt faszinierend auch wenns nur Wolken sind. Doch es scheint eine wetteränderung zu geben denn der Horizont füllte sich mit Wolken am nachmittag. Laut Wetterbericht von vor einer Woche soll es seit drei Tagen regnen und das ziemlich heftig. Zur Siesta stattete mir eine springende spinne einen Besuch in meinem zelt ab. Erst dachte ich es sei eine fliege - ja sie war nur nen halben Zentimeter groß - aber ich dulde keine spinnen in meinem zelt und so musste ich sie irgendwie dazu bewegen wieder raus zu springen was sie dann auch tat. Zum Glück gibt's die Viecher nicht in groß hier. Hoffe ich mal. Was es allerdings jede menge gibt sind vögel. In allen Farben und Größen und in allen sprachrichtungen. Ich bin froh noch einen tag hier geblieben zu sein. Fehlt eigentlich nur ein See zum baden. Aber auch so gehört dieses tal zu meinen absoluten lieblingsplätzen. Vor allem auch weil man nur zu Fuß hinkommt und weil es ein wunderbarer abend war. Ich saß an der oberen kante des riesigen Tales und blickte auf das Labyrinth aus felsen welches seine Konturen im abendlicht erst richtig zeigte. Einfach nur unbeschreiblich.
Tag 9
Ich will ja nicht angeben aber wieder ein morgen ohne wolken obwohl ich mir manchmal welche wünsche. Gestern Abend gab's mal wieder Besuch als es schon dunkel war aber der gaucho wollte nur wissen wo ich hin will und ob alles okay ist. Er sagte der weg ist viel zu lang den ich laufen will und fing an mir den kürzeren zu erklären. Doch ich unterbrach ihn und gab ihm zu verstehen dass ich nicht den kurzen laufen will. Ohne guide fragte er. Als ich ja antwortete schüttelte er nur mit dem Kopf und muss wohl gedacht haben verrückte deutsche. Als ich mir heute morgen überlegte dass ich noch 1700m  aufstieg bevorstehen war ich knapp davor den kurzen Weg zu nehmen. Das Problem war dass ich erst 200m runter musste da der hang sehr viele rinnen hatte und ich so nicht auf einer Höhe zu meinem tal laufen konnte. Die rinnen der Bäche die von den Bergen runter kommen sind durch den losen Boden teilweise bis zu 50m tief und du hast keine chance wenn du nicht weißt wo du durch kommst. So hab ich den kleinen Umweg in kauf genommen und bin dem fluss talaufwärts gefolgt. Irgendwann fand ich einen Pfad der sich am Hang entlang schlängelte. Die rinnen waren nicht mehr so tief und so war das auf und ab besser als die losen Steine im flussbett. Die Landschaft wurde wieder sanfter auch wenn die Berggipfel links noch tausend meter höher lagen. Ein stück nach dem pass fand ich überraschend einen wunderschönen Zeltplatz mit Blick bis zum andenhauptkamm. Keine Ahnung aber ich konnte bestimmt 200km weit kucken. Dazu Wiese und fließend Wasser. Also gleich zum duschen und Wäsche waschen und danach überlegt wie weiter. Hoch auf den Kamm oder runter und dann im fluss hinauf. Es wird ziemlich hart so oder so. Auf den Kamm hat den Vorteil dass ich die steigung fast komplett im Schatten laufen kann bevor die sonne wenn sie denn scheint über die berge kommt. Heißt ich muss auf 4800m und wasser mitschleppen. Doch mein Rucksack ist relativ leicht und der ausblick lockt auch. Mal sehen.
Mein Ziel cachi seh ich schon. 33km luftlinie. Allerdings laufe ich noch einen ziemlichen Bogen. Stand jetzt noch 5-6 tage. Aber egal solange es weiter solche tollen Abende werden hungere ich auch.
Und nun ein sorry. Die letzten Tage sind auf elektronischem Wege verloren gegangen. Nur so viel: es war erst arschkalt, dann kochend heiß, unglaublich anstrengend, ich hatte vier zehn Zentimeter lange kaktusstachel im Knie, aber ich musste nicht hungern. Vor allem aber war es eine meiner Touren die mir ewig in Erinnerung bleiben wird. Eigentlich wollte ich noch einen tag zelten doch es gab kein Wasser mehr und so durfte ich bei dreißig grad in der prallen sonne noch 15 Kilometer extra nach cachi laufen. Danach gings noch mit dem bus fünf Stunden nach salta wo ich grad ne Pizza verdrückt habe. Bin zwei Nächte hier und danach noch drei tage auf ner kleinen finca in der nähe von cachi. Von dort werde ich meine wohl letzte Etappe starten. Es ist sehr trocken dieses jahr und so muss ich ein wenig umplanen.